Lohngleichheit in der Praxis
Lohngleichheit in der Praxis
Analyse, Zertifizierung oder Überprüfung? Der passende Weg für Ihr Unternehmen
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Löhne fair, transparent und gesetzeskonform zu gestalten. Dieser Beitrag zeigt übersichtlich, welche Möglichkeiten zur Prüfung der Lohnstrukturen und zur Erkennung von Ungleichheiten bestehen. Ziel ist es, rechtliche Anforderungen zu erfüllen und Vertrauen zu stärken. Praxisnah werden Unterschiede zwischen Logib-Analysen, Fair-ON-Pay-Zertifizierungen und GLG-Überprüfungen erklärt – und wann welcher Ansatz für Ihr Unternehmen sinnvoll ist.
Warum jetzt handeln?
Faire und transparente Löhne sind heute zentrale Erwartungen von Mitarbeitenden, Bewerbenden und der Öffentlichkeit. Parallel dazu wachsen die gesetzlichen Vorgaben durch das Gleichstellungsgesetz (GLG), genauso wie die gesellschaftlichen Erwartungen an eine gerechte Entlohnung.
Damit rückt verstärkt die Frage in den Fokus, wie «gleichwertige Arbeit» definiert und konsistent bewertet wird – ein wesentlicher Bestandteil einer gerechten und nachhaltigen Lohnpraxis. Unternehmen sollten deshalb regelmässig ihre Lohnstrukturen analysieren, um:
- den gesetzlichen Anforderungen des GLG gerecht zu werden,
- die Arbeitgeberattraktivität und Reputation zu steigern,
- Compliance-Risiken zu minimieren und
- das Vertrauen aller Stakeholder zu sichern.
Welche Analyse passt zur Ausgangslage?
Logib – das Standardmodell des Bundes
Das Logib-Modell ist das offizielle, kostenfreie Analysewerkzeug des Bundes. Es wird Unternehmen zur Verfügung gestellt, um eine erste statistische Einschätzung vorzunehmen, ob geschlechtsspezifische Lohnunterschiede bestehen. Die Auswertung bietet eine aggregierte Sicht, anhand derer sich ein potenzieller Handlungsbedarf erkennen lässt.
In der Praxis fehlen jedoch oft detaillierte Einblicke, etwa dort, wo konkret Abweichungen im Unternehmen entstehen, welche Funktionen oder Teams betroffen sind und wie diese Unterschiede gegebenenfalls behoben werden könnten. Daher reicht Logib für Unternehmen, die vertiefende Analysen wünschen, häufig nicht aus.
Fair-ON-Pay: Zertifizierung mit Mehrwert
Die Fair-ON-Pay-Zertifizierung kombiniert erweiterte Analysen der Lohngleichheit mit einer unabhängigen Qualitätsprüfung, die von der Societé Générale de Surveillance (SGS) durchgeführt wird. Die Methode baut auf den anerkannten statistischen Prinzipien von Logib auf, ergänzt diese jedoch durch weitere aussagekräftige Datenauswertungen und Qualitätsaspekte.
Die Vorteile von Fair-ON-Pay:
- Identifikation von Abweichungen und Ausreissern in Funktionen oder spezifischen Vergleichsgruppen.
- Berücksichtigung von Geschlecht, Alter, Ausbildungsgrad, Position, Funktion, Kompetenz und Region, um Ungleichheiten umfassend zu prüfen.
- Ausstellung eines anerkannten Zertifikats bei Erfüllung der Kriterien (Gültigkeit: 4 Jahre).
- Massnahmenpriorisierung durch detaillierte Einblicke, die bei der Planung von Korrekturen unterstützen.
Die Zertifizierung eignet sich auch für Revisionskunden und gewährleistet Vertrauen gegenüber Mitarbeitenden sowie externen Stakeholdern wie Behörden oder Kundinnen und Kunden. Für kleinere Organisationen steht zudem die Lösung Fair-ON-Pay Aware zur Verfügung, die als vereinfachte Variante speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten ist.
Wie wird Lohnungleichheit überprüft?
GLG-Überprüfungen: Gesetzliche Anforderungen erfüllen
Organisationen, die gemäss Gleichstellungsgesetz (GLG) mehr als 100 Mitarbeitende beschäftigen, müssen regelmässige Lohngleichheitsanalysen durchführen, die anschliessend von unabhängigen Dritten überprüft werden.
Wichtige Anforderungen für die GLG-Überprüfung:
- Formelle Prüfung: Die Aufgabe des Prüfers besteht ausschliesslich darin, die Korrektheit der angewandten Methode, die Vollständigkeit der erfassten Lohnbestandteile sowie die Einhaltung der gesetzlichen Fristen zu bestätigen. Der Prüfer beurteilt nicht das Ergebnis der Analyse.
- Unabhängigkeit: Es ist unzulässig, dass die überprüfende Instanz zuvor an der Durchführung oder Beratung zur Lohngleichheitsanalyse beteiligt war. Ausserdem dürfen erstmalige Prüfungen nicht durch Anbieter erfolgen, mit denen bereits eine Payroll-Zusammenarbeit besteht.
- Sonderfälle im BöB-Kontext: Überprüfungen im Rahmen des öffentlichen Beschaffungswesens (BöB) können je nach Konstellation zulässig sein – diese Anforderungen sind gesetzlich definiert.
Die Einhaltung dieser Regelungen ist essenziell, um Transparenz und Glaubwürdigkeit zu wahren.
Für wen eignen sich welche Ansätze?
Logib-Analyse (Basismodell)
Besonders geeignet für:
- Organisationen mit über 100 Mitarbeitenden, die eine gesetzlich verpflichtende Analyse nach GLG durchführen müssen – z.B. nach einer Fusion oder wenn sie ein Unternehmen gründen und die Mitarbeitendengrenze überschreiten.
- Unternehmen, die ihre Lohngerechtigkeit für Ausschreibungen im öffentlichen Sektor (BöB) nachweisen müssen.
- Firmen jeder Grösse, die freiwillig erste Einblicke in ihre Lohntransparenz gewinnen möchten.
Fair-ON-Pay-Zertifizierung
Ideal für:
- Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitenden oder kleinere Organisationen (Fair-ON-Pay Aware).
- Organisationen, die langfristig Transparenz und Mitarbeitendenzufriedenheit sicherstellen wollen.
- Firmen, die eine umfassende Lösung inklusive Analyse, Qualitätsprüfung sowie gegebenenfalls eine formelle Überprüfung nach GLG suchen.
Wie wird «gleichwertige Arbeit» fair bewertet?
Lohngleichheit setzt klar definierte Grundlagen voraus. Dazu gehören:
- Saubere Funktionsbewertungen, klare Einstufungskriterien und transparente Richtlinien für die Lohnentwicklung.
- Eine robuste Rollenarchitektur, mit der Arbeitsfunktionen eindeutig beschrieben und vergütet werden können.
- Die Zuordnung von Aufgaben zu vergleichbaren Funktionskategorien, die Lohnentscheidungen nachvollziehbar machen.
Durch diese Massnahmen können Unternehmen nicht nur faire Löhne erreichen, sondern auch langfristig rechtliche Risiken reduzieren.
Von der Analyse zur Umsetzung: Was jetzt zu tun ist
Nach der Analyse beginnt die entscheidende Phase: die Umsetzung. Damit Massnahmen effektiv wirken, sind folgende Schritte notwendig:
- Sensibilisierung aller Unternehmensbereiche für die Relevanz von Transparenz und Lohngleichheit.
- Weiterentwicklung der internen Gehaltssysteme.
- Festlegung und Etablierung transparenter Prozesse für Gehaltsfestlegung und Lohnentwicklung.
- Fundierte Bewertung von Funktionsstrukturen und -beschreibungen.
- Einführung oder Optimierung variabler Vergütungssysteme.
Eine nachhaltige Entlohnungspraxis schafft interne Akzeptanz und externe Belastbarkeit.
Ausblick: Mit Transparenz zum strategischen Vorteil
Lohngleichheit und Lohntransparenz sind nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern auch ein klares Signal für Respekt, Gleichbehandlung und Fairness im Unternehmen. Unternehmen, die ihre Löhne regelmässig auf Fairness und Ausgewogenheit überprüfen, schaffen Vertrauen bei den Mitarbeitenden, stärken ihre Reputation und sichern sich einen messbaren Wettbewerbsvorteil.
Ein ganzheitlicher Ansatz, bestehend aus Lohnanalysen, Zertifizierungen und – wo erforderlich – gesetzeskonformen Prüfungen, ist der Schlüssel zu einer glaubwürdigen und nachhaltigen Positionierung. Transparente Gehaltssysteme ebnen langfristig den Weg zu einem attraktiven und zukunftsfähigen Arbeitsplatz.

