KI ist längst Führungsthema

Vom KI-Verständnis zur KI-Verantwortung

KI ist kein isoliertes Technologieprojekt mehr. Sie beeinflusst, wie Unternehmen entscheiden, Leistungen erbringen, arbeiten, sich im Wettbewerb behaupten und wachsen. Damit entstehen Chancen: schnellere Innovation, präzisere Erkenntnisse, höhere Produktivität, bessere Kundenerlebnisse und widerstandsfähigere Betriebsabläufe.

Gleichzeitig bringt KI Risiken mit sich. Dazu gehören die Offenlegung von Daten, fehlerhafte oder verzerrte Ergebnisse, intransparente Anbieter, Schwachstellen in der Cyber Security, regulatorische Herausforderungen und Reputationsschäden.

Für Verwaltungsräte stellt sich deshalb nicht mehr nur die Frage, ob ihr Unternehmen KI einsetzt. Entscheidend ist, wie es KI einsetzt und steuert.

Der Verwaltungsrat sollte KI dabei nicht bremsen. Seine Aufgabe ist es, den Rahmen für einen verantwortungsvollen Einsatz zu schaffen. Das verlangt Transparenz, klare Verantwortlichkeiten und belastbare Nachweise.

«KI braucht eine klare Strategie und verantwortungsvolle Führung.»

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Von einzelnen Anwendungen zum strategischen KI-Portfolio

Wirksame Führung beginnt mit Transparenz. Der Verwaltungsrat sollte wissen, wo KI bereits eingesetzt wird, welchen Beitrag die einzelnen Anwendungen zur Geschäftsstrategie leisten und welche Risiken damit verbunden sind.

Dafür braucht es ein klares KI-Portfolio, das mit der Geschäftsstrategie, den Investitionsentscheiden und dem messbaren Mehrwert verknüpft ist. Ebenso wichtig sind festgelegte Verantwortlichkeiten für Anwendungsfälle, Entscheide, Kontrollen, Risikoakzeptanz und Eskalationen.

Nicht jede KI-Anwendung verlangt dieselben Kontrollen. Risikoarme Anwendungen können beschleunigte Verfahren durchlaufen. Anwendungen mit grösseren Auswirkungen benötigen dagegen angemessene Freigabestufen und belastbare Nachweise.

Das Ziel ist nicht mehr Bürokratie. Es geht darum, Chancen gezielt zu nutzen und Risiken dort zu kontrollieren, wo sie entstehen.

 

Fünf Verantwortlichkeiten des Verwaltungsrats

Eine wirksame Steuerung von KI lässt sich auf fünf Aufgaben konzentrieren:

 

1. Strategisch steuern

KI als Teil der Unternehmensstrategie behandeln und Investitionen dort priorisieren, wo ein nachvollziehbarer Mehrwert entsteht.

 

2. Verantwortlichkeiten klären

Festlegen, wer für Anwendungsfälle, Entscheide, Kontrollen und Risiken verantwortlich ist.

 

3. KI verantwortungsvoll einsetzen

Sicherstellen, dass der Einsatz von KI die rechtlichen, ethischen und datenschutzrechtlichen Verpflichtungen sowie die Vertrauensgrundsätze des Unternehmens berücksichtigt.

 

4. Nachweise einfordern

Prüfen, ob KI wie vorgesehen funktioniert, Risiken innerhalb der definierten Toleranz bleiben und die Investitionen den erwarteten Mehrwert liefern.

 

5. Resilienz aufbauen

Darauf vorbereitet sein, wenn KI fehlerhafte Ergebnisse erzeugt, unerwartet reagiert oder missbräuchlich eingesetzt wird.

 

Fünf Fragen, die sich jeder Verwaltungsrat stellen sollte

Die Diskussion über KI wird konkreter, wenn sie bei den richtigen Fragen beginnt:

  1. Wo verschafft uns KI einen Vorteil und wo erzeugen wir lediglich Aktivität ohne Mehrwert?
  2. Wer trägt die Verantwortung, wenn KI einen folgenreichen Entscheid trifft, beeinflusst oder beschleunigt?
  3. Könnten wir unseren Einsatz von KI gegenüber Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden, Aufsichtsbehörden und dem Markt überzeugend vertreten?
  4. Welche Nachweise zeigen, dass die KI wie vorgesehen funktioniert, innerhalb unserer Risikotoleranz bleibt und Mehrwert schafft?
  5. Sind wir darauf vorbereitet, schnell zu handeln und klar zu kommunizieren, wenn KI versagt, missbräuchlich eingesetzt wird oder sich unerwartet verhält?

Diese Fragen verschieben den Fokus von der Technologie zur Führung. Nicht das einzelne KI-Tool steht im Mittelpunkt, sondern sein Beitrag zum Unternehmen, die damit verbundene Verantwortung und der Umgang mit Risiken.

 

Schneller handeln, klüger steuern

KI verbreitet sich über Tools für Mitarbeitende, Plattformen von Anbietern, digitale Produkte, Automatisierung und autonome Agenten. Entscheidend ist deshalb, ob ein Unternehmen KI gezielt, verantwortungsvoll und profitabel skalieren kann oder ob deren Einsatz schneller wächst als die Fähigkeit, ihn zu steuern.

Für die Geschäftsleitung ergeben sich daraus fünf Prioritäten:

  • Gezielt investieren: KI dort einsetzen, wo sie die Strategie unterstützt und messbaren Mehrwert schafft.
  • Verantwortlichkeiten festlegen: Für wesentliche Anwendungen klare Zuständigkeiten in Geschäft, Technologie, Daten und Risikomanagement definieren.
  • Verantwortungsvolles Tempo ermöglichen: Risikoarme Anwendungen rasch voranbringen und Anwendungen mit grösseren Auswirkungen genauer prüfen.
  • Vertrauen belegen: Nachweise verlangen, dass KI sicher, zuverlässig, regelkonform und beaufsichtigt ist.
  • Resilienz aufbauen: Auf fehlerhafte Ergebnisse, kompromittierte Systeme, Datenoffenlegung, Störungen bei Anbietern, autonomes Verhalten und angefochtene KI-gestützte Entscheide vorbereitet sein.

Fortschritt und Risiken sollten für den Verwaltungsrat sichtbar sein. Ein fokussiertes Dashboard kann Mehrwert, Risikoexposition, Wirksamkeit der Kontrollen, Vertrauen, Resilienz und organisatorische Fähigkeiten zusammenführen.

 

Fazit: KI ist eine Führungsaufgabe

KI entwickelt sich schneller als viele Richtlinien, Rahmenwerke und traditionelle Kontrollmodelle. Die Antwort darauf ist nicht mehr Bürokratie. Gefragt sind eine klare Strategie, eindeutige Verantwortlichkeiten und belastbare Nachweise.

Die entscheidende Frage für Verwaltungsräte lautet deshalb nicht, wie viel KI ihr Unternehmen einsetzt. Entscheidend ist, ob das Unternehmen KI bewusst führt. Wer Chancen und Risiken gemeinsam betrachtet, klare Verantwortlichkeiten schafft und den Einsatz von KI mit der Geschäftsstrategie verbindet, kann KI als strategisches Führungsinstrument nutzen.

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