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Fachartikel:

Steueroptimiert investieren

27. November 2018

Warum eine reine Fokussierung auf die Vorsteuerperformance nicht genügt.

Bei der Vermögensverwaltung geht es im Wesentlichen darum, für den Kunden unter Berücksichtigung von dessen Risikofähigkeit und -bereitschaft und unter Einhaltung von Standards wie dem Diversifikationsgebot die besten Anlagen auszuwählen und die bestmögliche Rendite zu erzielen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen sollten Vermögensverwalter in Zukunft aber auch die steuerrechtlichen Auswirkungen auf den Kunden berücksichtigen. Ein Trend, der sich etwa unter dem Schlagwort «Portfoliomanagement After Tax» zusammenfassen lässt. Die Wichtigkeit zeigt sich insbesondere im Geschäft mit internationaler Kundschaft.

Mit der Ära der Weissgeldstrategie und der Einführung des automatischen Informationsaustausches (AIA) wurden die Karten im Geschäft mit internationalen Privatkunden bekanntlich neu gemischt. Während noch vor 10 Jahren wohl ein Grossteil des Offshore-Vermögens in der Schweiz unversteuert war, ist heute davon auszugehen, dass die meisten internationalen Kunden ihre in der Schweiz betreuten Vermögen deklariert haben und - soweit erforderlich - in ihrem Wohnsitzland besteuern lassen. Gerade bei grenzüberschreitenden Konstellationen kann ein Investment unerwartete und komplexe steuerliche Auswirkungen zur Folge haben. Es würde rechtlich zu weit gehen und wäre auch faktisch kaum möglich, beim einzelnen Vermögensverwalter oder Anlageberater neben seiner Kompetenz in Anlagefragen gleichzeitig auch höchste Fachkompetenz in internationalen Steuerfragen vorauszusetzen. Dennoch dürfte die (pro-)aktive Berücksichtigung steuerrechtlicher Auswirkungen im Portfoliomanagement zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Brisanz und Komplexität dieser Thematik wird nachfolgend anhand eines Beispiels aus dem internationalen Kontext veranschaulicht.

Wird eine Optimierung der Nachsteuerperformance für den Kunden angestrebt, ist insbesondere erforderlich, dass Anlageberater oder Portfoliomanager bei der Auswahl der Anlagen wissen und berücksichtigen, wo und wie ihre Kunden besteuert werden. Gerade bei Kunden, die im Vereinigten Königreich (UK) ansässig sind, empfiehlt es sich, bereits bei der Eröffnung der Geschäftsbeziehung den Steuerstatus der Nutzungsberechtigten zu erfassen und im Hinblick auf die Anlagetätigkeit zu verstehen. So unterscheidet das UK-Steuerrecht zwischen Kunden mit Status «resident and domiciled» (Rd) und solchen mit Status «resident, but non-domiciled» (Rnd). Die Ansässigkeit («Residence») im UK gilt dabei grundsätzlich als gegeben, wenn der Kunde sich mindestens 183 Tage im Steuerjahr im UK aufhält (Ausnahmen vorbehalten). In der Praxis bestehen zahlreiche Abgrenzungsfragen zwischen «domicile» und «non-domiciled». Als vereinfachte Faustregel gilt der Grundsatz: «Residence is where you are, domicile is where your heart is!»

So romantisch diese Unterscheidungshilfe klingen mag, so wichtig sind die steuerlichen Konsequenzen, die sich für den UK-Kunden aus dem Steuerstatus ergeben können. Während etwa Rd-Kunden die weltweiten Kapitalgewinne und Einkünfte «on arising basis», also im Steuerjahr, in dem sie anfallen, versteuern müssen, können Rnd-Kunden verlangen, dass sie die Kapitalgewinne und Einkünfte erst dann versteuern müssen, wenn sie nach UK «remitted», also nach UK eingeführt, werden («on remittance basis»), was in vielen Fällen vorteilhaft sein kann. Als nach UK «remitted» gelten auch Wertpapiere von UK-Emittenten («UK source income»), weshalb solche Produkte für UK Rnd-Kunden, welche die «remittance basis» verlangen wollen, tendenziell nicht geeignet sind. Einem Anbieter, der für UK-Kunden eine steueroptimierte Performance anstrebt, wäre vor diesem Hintergrund zu empfehlen, Rnd-Kunden vor dem Kauf solcher Wertpapiere zu warnen und allenfalls Alternativen vorzuschlagen. Um eine möglichst steuereffiziente «remittance» für Rnd-Kunden durchführen zu können, muss nachgewiesen werden können, ob es sich bei den nach UK überführten Vermögenswerten um Vermögen (besteuert zu 0 %), Kapitalgewinne (steuerbar bis zu 20 %) oder Einkünfte (steuerbar bis zu 45 %) handelt, wobei die Steuersätze jedes Steuerjahr neu festgelegt werden. In der Regel lohnt es sich für Rnd-Kunden, für diese drei «Vermögenstöpfe» separate Depots und Konti zu führen, damit Zins- und Dividendeneinkünfte dem Topf «Income» gutgeschrieben werden und Verkäufe mit Kapitalgewinnen auf Wertpapieren im Topf «Capital Gain» verbucht werden.

Um die Teilvermögen besser unterscheiden zu können, empfiehlt es sich zudem, die entsprechenden Konti mit Rubriken klar zu bezeichnen. So sollte das Depot und die Konti des Topfes «Capital» entsprechend die Rubrik «Capital» haben, das Depot des Teilvermögens «Capital Gain» sowie dessen Konti die Rubrik «Capital Gain» etc. Des Weiteren sollte sichergestellt werden, dass automatisch korrekt gebucht wird. So sollten Zinsen und Dividenden aus allen Teilvermögen immer zu Gunsten der Konten des «Income-Topfes» verbucht werden, wo gleichzeitig auch alle Vermögensverwaltungs- und Depotgebühren der Bank belastet werden sollten, da es sich hierbei um eine Ausgabe im Ausland handelt, die, weil die Beträge nie «remittet» wurden, steuerfrei bleiben. Dies lässt sich über Buchungsinstruktionen in den meisten IT-Systemen einbauen.

Wie bereits erwähnt bleibt diese Trennung jedoch wirkungslos, wenn der Vermögensverwalter UK-Source-Income-Positionen kauft, also Positionen, die steuerlich automatisch schon «remitted» sind, weil sie einen UK-Emittenten haben.

Die Kombination zwischen komplexen und individuell verschiedenen steuerrechtlichen Vorgaben in unterschiedlichen Ländern sowie die Vielzahl angebotener Finanzdienstleistungen und Anlageprodukte lassen erahnen, dass ein gewaltiges Potenzial für steueroptimiertes Anlegen im internationalen Privatkundengeschäft besteht. Zunehmende regulatorische Vorschriften und neue technische Möglichkeiten zu deren massgeschneiderten Umsetzung könnten das Ihre dazu beitragen, dass «Tax Optimized Portfoliomanagement» auch hierzulande an Bedeutung gewinnt.[i]

 

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[i] Bei den Ausführungen im vorliegenden Artikel handelt es sich um die persönliche Meinung der Autoren, die anhand eines Beispiels veranschaulicht wird. Unter keinen Umständen dürfen diese als Empfehlung zum Erwerb oder Nicht-Erwerb von Anlagen irgendwelcher Art verstanden werden.