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Persönliche Notfallvorsorge

12. Dezember 2018

Hanspeter Baumann, dipl. Treuhandexperte, Partner |

«Wer in dem Augenblick suchen muss, wo er braucht, findet schwer» wusste bereits Wilhelm von Humboldt, ein deutscher Gelehrter und Staatsmann vor zweihundert Jahren. Wie können Sie sicherstellen, dass Sie im Notfall finden, was Sie brauchen? Welche Vorkehren können Sie treffen, um Lücken in Ihrer Risikovorsorge zu schliessen?

Flugzeugabstürze, terroristische Bedrohungen oder tödliche Naturkatastrophen sind in der Schweiz zum Glück sehr selten. Auch schwere oder gar tödliche Unfälle kommen nur wenig vor. Im Jahr 1971 gab es beispielsweise 1622 Todesopfer[1] auf Schweizer Strassen, im Jahr 2017 kamen noch 230 Menschen zu Tode[2] – und dies obwohl sich die Personenkilometer in dieser Zeit mehr als verdoppelt haben[3]. Das Risiko für den Einzelnen ist dank moderner Technik und Prävention deutlich gesunken. Auch die Medizin hat grosse Fortschritte gemacht. Dennoch sind Krankheiten wahrscheinlich immer noch «der grösste Feind des Menschen». Häufige Krankheiten wie Herzinfarkt oder Hirnschlag können jeden plötzlich aus dem gewohnten Leben reissen.

Mit diesen düsteren Eventualitäten beschäftigen sich allerdings nur die Wenigsten. Viel lieber widmet man sich den schönen Seiten des Lebens. Wem möchte man das schon verübeln? Allerdings: Wer sich bewusst ist, dass Schicksalsschläge jederzeit eintreffen können und rechtzeitig Vorsorgemassnahmen trifft, kann sich und seinen Angehörigen im Notfall dennoch Gutes tun.
 

Der erste Schritt: Eine strukturierte Bestandsaufnahme

Die persönliche Notfallvorsorge beginnt mit einem Blick auf das Jetzt und die Vergangenheit. Durchleuchten Sie Ihr Leben und bestimmen Sie die Informationen, welche in einem Notfall für Ihre Angehörigen bei einem Todesfall oder Eintreten von Urteilsunfähigkeit von Nutzen sein könnten. Hier nur eine kleine Auswahl:

  • Bestehende Ehe- und Erbverträge, Testamente
  • Ausweise (AHV-Ausweis, Impfausweis, ID, Pass, etc.)
  • Verträge (Arbeitsvertrag, Erbvertrag, wichtige Kaufverträge, etc.)
  • Versicherungen
  • Steuererklärungen
  • Vollmachten
  • Passwörter und Pin-Codes


Vermutlich kommt hierbei eine sehr lange Liste mit relevanten Unterlagen, Dokumenten und Informationen zusammen. Zudem beansprucht die Suche nach all diesen Informationen viel Zeit – Zeit, die Sie in einem Notfall womöglich nicht haben. Daher ist es sehr empfehlenswert, alle in Frage kommenden Informationen zentral zu sammeln, damit diese einfach und schnell verfügbar sind. Damit die Informationssammlung ihren Zweck optimal erfüllt, empfehlen wir, dass Sie das Thema mit Ihren Angehörigen besprechen, so dass Ihre Vertrauenspersonen bei Bedarf auf die Daten zugreifen können.
 

Der Notfallordner von BDO

BDO beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Vorsorge und hat einen einfachen Notfallordner entwickelt, der dazu beitragen kann, einen Notfall organisatorisch einfacher und besser zu meistern.

Mit dem Notfallordner können wichtige Unterlagen, Dokumente und Informationen digital oder physisch in 15 verschiedenen Rubriken (z.B. Steuern, Liegenschaft, Versicherungen) abgelegt werden. So stellen Sie sicher, dass Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall wichtige Unterlagen rasch finden können.

Haben Sie Interesse? Der Ordner kann für 250 Franken bei BDO bezogen werden[4]. Für Kunden von BDO ist dieser Service kostenlos. Wenden Sie sich an Ihren Kundenpartner.

 

Der zweite Schritt: weitere Vorkehrungen mit Blick in die Zukunft

Alle bestehenden Dokumente und Unterlagen geordnet und systematisch abzulegen ist nützlich und hilfreich. Noch besser ist es, wenn Sie zusätzlich allfälligen Handlungsbedarf bei Ihrer Risikovorsorge abklären und bestehende Lücken schliessen.

Der mögliche Spielraum hierbei ist gross und hängt von den eigenen Präferenzen ab. Es gibt Menschen, die alles dem Schicksal überlassen, andere wollen aktiv Einfluss nehmen, soweit das möglich ist. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung gängiger Vorsorgeinstrumente:

  • Ehe- und Erbvertrag
  • Testament
  • Patientenverfügung
  • Vorsorgeauftrag
  • Organspendeausweis
  • Vollmachten
  • Entbindung vom Arztgeheimnis
  • Pensionskasse
  • Säule 3a
  • Lebensversicherungen
  • Liegenschaften
  • etc.

 

Durch das Verfassen eines Testaments können Sie beispielsweise beeinflussen, wer Ihren Nachlass dereinst zu welchen Teilen erben wird respektive welche Vermögenswerte den einzelnen Begünstigten zufallen sollen. Durch die Einsetzung eines Willensvollstreckers können Sie sicherstellen, dass Ihre Anordnungen umgesetzt werden.

Mit einem Ehe- und Erbvertrag haben Sie beispielsweise die Möglichkeit den überlebenden Ehegatten zu begünstigen, die Übernahme des Unternehmens durch einzelne Nachkommen zu regeln oder besondere Bedürfnisse von Erben zu berücksichtigen. Wenn Sie wesentliches Vermögen, wie zum Beispiel eine Unternehmung oder eine Liegenschaft besitzen, ist die Erstellung eines Ehe- und Erbvertrags zu empfehlen.

Seit dem Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechts am 1. Januar 2013 ist die Erstellung eines Vorsorgeauftrags dringend zu empfehlen. Jede und jeder kann von einer Urteilsunfähigkeit betroffen werden, sei es durch Krankheit, Unfall oder Altersschwäche. Wer einen Vorsorgeauftrag errichtet, kann darin selber bestimmen, wer die gesetzliche Vertretung im Falle einer eigenen Urteilsunfähigkeit übernehmen soll und kann diesem Beauftragten sogar konkrete Weisungen erteilen. Durch einen sorgfältig formulierten Vorsorgeauftrag kann verhindert werden, dass die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Massnahmen ergreifen und einen Beistand ernennen muss.
 

Fazit

Durch rechtzeitige Vorkehrungen stellen Sie sicher, dass Sie oder Ihre Angehörigen in einem Notfall alle relevanten Dokumente und Informationen finden, die in dieser Situation benötigt werden. Wir empfehlen, einen Notfallordner zu erstellen und alle wichtigen Unterlagen darin zu sammeln. Dies hilft Ihnen bei der Verwaltung Ihrer Angelegenheiten, aber vor allem auch Ihren Angehörigen, sollte Ihnen etwas zustossen.

Wenn Sie weitere Vorkehrungen für die Zukunft treffen wollen, ist zu prüfen, wo Lücken und Bedürfnisse bestehen. Das Verfassen eines Testaments sowie das Abschliessen von Ehe- und Erbverträgen ist für die Regelung des Nachlasses grundsätzlich zu empfehlen. Wenn Sie Vorkehrungen für den Fall einer Urteilsunfähigkeit treffen wollen, ist die rechtzeitige Erstellung eines Vorsorgeauftrages entscheidend.

Gerne beraten Sie unsere Juristinnen und Juristen bei der Vorsorge. Falls Sie Interesse am Notfallordner haben, wenden Sie sich an Ihren Kundenpartner und bitten Sie um Zustellung der entsprechenden Unterlagen.

 

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[1] Bundesamt für Statistik, Verkehrsunfälle - Übersicht über alle Verkehrsträger

[2] Bundesamt für Strassen ASTRA (78 Autofahrer, 51 Motorradfahrer, 30 Fahrradfahrer, 7 E-Bikes, 47 Fussgänger, 17 andere).

[3] Bundesamt für Statistik, Verkehrsleistungen im Personenverkehr - Privater motorisierter Verkehr

[4] treuhand@bdo.ch