• Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs
Fachartikel:

Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs

26. Oktober 2018

Alessandro Oberti, Leiter IT Audit & Consulting, alessandro.oberti@bdo.ch, +41 22 322 24 95; Übersetzt von Thomas Bucher, IT Advisory Services & Audit |

Klicken , um in voller Grösse anzuzeigen.

 

Der Schweizer Zahlungsverkehr wird vereinheitlicht

Der Postdienst soll in allen Landesteilen eine ausreichende Grundversorgung gewährleisten. Das Postgesetz (PG) regelt das Erbringen von Postdiensten und die Grundversorgung mit Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs durch die PostFinance.

Gleichzeitig nutzen Schweizer Banken, PostFinance und andere Finanzmarktakteure ein zentrales elektronisches Zahlungssystem: Swiss Interbank Clearing (SIC). Dieses wird seit 1987 im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank von der SIX Interbank Clearing AG betrieben und ermöglicht Finanzinstituten weltweit, ihren elektronischen Zahlungsverkehr mit der Schweiz in Franken und Euro rund um die Uhr in Echtzeit abzuwickeln.

SIC gilt als eines der führenden Systeme im Bereich Real Time Gross Settlement. Dieses System ist direkt an das internationale Clearing- und Abwicklungssystem für Devisengeschäfte gekoppelt. Ursprünglich reserviert für Banken mit Sitz in der Schweiz, gewährte die SNB Clearingorganisationen und internationalen gemeinsamen Diensten sowie teilnehmenden Banken Zugriff auf das SIC.

Um einen effizienten und profitablen Zugang zu den Finanzmärkten in der Eurozone zu ermöglichen, wurde das euro Swiss Interbank Clearing eingeführt. SECB[1] ist ein Joint Venture von SIX, Credit Suisse, UBS und PostFinance.

Als Nicht-EU-Mitglied verfügt die Schweiz über Schnittstellen vom euroSIC zum TARGET2[2] im Euroraum, zum deutschen EMZ[3] sowie zum paneuropäischen STEP2[4]-Massenzahlungssystem.

Für Zahlungen in anderen Währungen und auf internationaler Ebene nutzen Bankinstitute das SWIFT-System (Society for the Worldwide Interbank Financial Telecommunication).

 

Ein Rückblick

Lange vor dem Aufkommen des Internets hatten Bankinstitute bereits Systeme eingerichtet, mit denen sie sowohl national als auch international kommunizieren und bezahlen konnten. Die Technologie, die damals für die Kommunikation verwendet wurde, war das Kommunikationsprotokoll x.25 über Kupfertelefonleitungen.

SIC hatte sich auch für dieses Kommunikationsprotokoll entschieden und nutzte Mietleitungen zwischen Finanzinstituten und TELOS, dem privaten Netzwerk der Telekurs-Gruppe.

In der Schweiz wurde dieser Austausch und die Kommunikation durch geschützte und verschlüsselte Verbindungen auf der Ebene der Leitung und noch nicht auf Netzwerkebene sichergestellt. Somit waren die Daten vor und nach der Übertragung über die Leitungen sichtbar.

Ab dem 1. März 2000 kamen dann die IBASEC-Systeme (InterBank SECurity) mit Gretacoders. Diese Systeme ermöglichten die Verschlüsselung von einer Anwendung zur anderen durch Triple-DES[5].

Zu Beginn der 2000er Jahre kündigte das belgische Unternehmen Swift, Marktführer im Bereich Zahlungsverkehr, eine Migration auf das IP-Protokoll und einen Stopp der Kommunikation basierend auf dem X.25-Protokoll an. Dieser Übergang auf das TCP / IP-Protokoll wird es später ermöglichen, über das Internet zu kommunizieren und Zahlungen zu leisten, ohne den Inhalt der zwischen den Banken übertragenen Datenströme konvertieren zu müssen.

Die Finanzmarktteilnehmer haben schnell erkannt, dass der Einsatz nicht standardisierter Technologien und Zahlungsmethoden den Bearbeitungsprozess nur verlangsamt. Darüber hinaus erlaubten die alten Technologien nicht, moderne Lösungen für Zahlungen zu entwickeln. Auch haben die zunehmenden gesetzlichen Anforderungen und die zugrundeliegenden Compliance-Anforderungen die Akteure gezwungen, ihr System zu harmonisieren.

Infolgedessen wurde das Hauptprojekt der Harmonisierung der Zahlungssysteme eingeleitet und der internationale ISO-20022-Standard definiert. Dieser enthält die Standardregeln und -modalitäten für den Nachrichtenaustausch innerhalb des Finanzsektors. SIX wurde für die Leitung dieses Harmonisierungsprojekt in der Schweiz beauftragt.

Dieses Projekt wird die automatisierte Verarbeitung von Straight-Through-Processing (STP[6]) erleichtern. Weiter wird die Standardisierung von Nachrichten auch die Fehler und Risiken im Zusammenhang mit der Datenverarbeitung reduzieren.

Wie in den europäischen Ländern wurde die Umsetzung auch in der Schweiz schon länger begonnen und bereits im August 2014 wurden die ersten Schnittstellen zum europäische Zahlungssystem SEPA (Single Euro Zahlungsbereich) in Betrieb genommen. Das SWIFT-System wird seine Lösungen noch auf den ISO-20022-Standard abstimmen.

 

Die wichtigsten Änderungen

Die Harmonisierung beinhaltet Änderungen der Verfahren, Prozesse und Formate. Zudem soll diese Harmonisierung die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung sowie der neuen europäischen PSD2[7]-Richtlinie erleichtern.

 

A. Ablösung der proprietären Standards

Die im Zahlungsverkehr seit vielen Jahren verwendeten proprietären Standards (ESR, EZAG, DTA, DebitDirect etc.) werden durch standardisierte internationale Standards ersetzt. Das folgende Diagramm zeigt die wichtigsten Änderungen in diesem Bereich auf:

Klicken , um in voller Grösse anzuzeigen.

Quelle: SIX Interbank Clearing (https://www.paymentstandards.ch/dam/downloads/vendor/2016/verbeck_de.pdf)

 

B. Der IBAN

Die Konten müssen alle mit einer IBAN-Codierung (International Bank Account Number) ergänzt werden. Dieser Code besteht aus den folgenden Elementen:

  • Ländercode aus zwei Buchstaben (LL)
  • 2-stellige Prüfziffer (CC) für den gesamten IBAN
  • Basic Bank Account Number (BBAN) mit bis zu 30 Positionen, einschliesslich der Identifikation von Finanzinstituten (IID) und der eigentlichen Bank Account Number (BAN).

Die Verwendung des IBAN reduziert Steuern und Gebühren und enthält alle Informationen, um eine Zahlung rasch zu übermitteln.

 

C. Die Meldetypen

Klicken , um in voller Grösse anzuzeigen.

Quelle: https://www.paymentstandards.ch/dam/downloads/vendor/2016/verbeck_de.pdf

Die Meldungstypen ändern, wir gehen von MT zu CAMT. Lastschrift- und Gutschriftanzeigen werden neu camt.054-Meldungen sein.

Aktuelle Kontoauszüge, die durch MT940-Nachrichten dargestellt werden, werden durch neue Nachrichten ersetzt. Zum Beispiel wird der Name des Zahlers den Gläubigern erlauben, den Buchungsablauf besser zu verwalten.

 

D. Die Einzahlungsscheine

Die orangen und roten Einzahlungsscheine werden verschwinden. Neu wird ein Grafikcode, sprich QR-Code verwendet werden, welcher 1994 von Denso-Wave erfunden wurde. Dieser Code bietet die Möglichkeit, viele Detailinformationen auf kleinem Raum abzubilden, beispielsweise den IBAN des Kontos, die Adresse des Zahlungsempfängers, die Referenznummer.

Klicken , um in voller Grösse anzuzeigen.

Quelle: https://www.paymentstandards.ch/dam/downloads/vendor/2016/verbeck_de.pdf

Dieser QR-Code verwendet das 1960 entwickelte Reed-Solomon-System, darin ist eine integrierte Fehlerkontrolle integriert. Sein Vorteil liegt darin, dass diese Codierung die Fehler beim Lesen und bei der Übertragung des Inhalts der Nachricht begrenzt. Das Verarbeiten des Codes ist sogar noch möglich, wenn der Code nur zu 50% lesbar ist.

 

E. Die Überweisung

Das DTA-Format wird konvertiert in das standardisierte .xml-Format für Übertragungen und Wiederherstellungen von Zahlungen. Das neue Format broad.001 bietet den Vorteil, dass der Kreditstatus jederzeit von der Rechnung bis zum Empfang überprüft werden kann. Es ermöglicht auch eine Überprüfung der Richtigkeit der IBAN.

Bread.002-Nachrichten ermöglichen eine einfachere und automatisierte Verarbeitung von Fehlern oder Korrekturen in Zahlungsaufträgen.

 

Der Nutzen

Banken haben bereits entsprechende Umgebungen entwickelt, die den Übergang von Technologie, Standards und Datenformat ermöglichen. Seit dem 1. Januar 2018 läuft der Zahlungsverkehr der PostFinance nur noch auf dem neuen ISO-20022-Standard.

Diese Änderungen werden die Nutzung elektronischer Rechnungen weiter verbessern und mobile Bezahllösungen (Twint, Alipay usw.) weiterentwickeln.

 


[1] SECB: Swiss Euro Clearing Bank

[2] TARGET2: Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System. Im Mai 2008 wurde mit Target2 die technische Infrastruktur der Individualzahlungsverkehrssysteme der nationalen Zentralbanken des Eurosystems und der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammengeführt.

[3] EMZ: Der Elektronische Massenzahlungsverkehr (EMZ) ist eine Zahlungsverkehrsplattform der Deutschen Bundesbank.

[4] STEP2: Ein von EBA CLEARING betriebenes Zahlungssystem für Massenzahlungen in Euro.

[5] Data Encryption Standard mit symmetrischem Verschlüsselungsalgorithmus

[6] Straight-Through-Processing-Rate (STP-Rate)

[7] Zweite Edition der Payment Services Directive