• Neuerungen und Änderungen bei den Sozialversicherungen per 1. Januar 2019
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Neuerungen und Änderungen bei den Sozialversicherungen per 1. Januar 2019

12. Dezember 2018

Der Bundesrat passt in der Regel alle zwei Jahre die Renten der Lohn- und Preisentwicklung an. Erstmals in der Geschichte der AHV liegen nun vier Jahre hinter uns, in denen die Renten nicht angepasst wurden. Per 1. Januar 2019 ist es nun wieder so weit. Die AHV-/IV-Leistungen in der 1. Säule werden um 0,9 Prozent erhöht. Gerne stellen wir Ihnen nachfolgend verschiedene Auswirkungen in den Sozialversicherungen dar.

 

Grafik: Übersicht Sozialversicherungen 2019
Grafik: Übersicht Sozialversicherungen 2019

 

1. Säule

AHV - Alters- und Hinterlassenenversicherung

Unselbständigerwerbende, Selbständigerwerbende, Nichterwerbstätige

Die minimale AHV/IV-Rente steigt von 1'175 auf neu 1'185 Franken pro Monat, die Maximalrente von 2'350 auf neu 2'370 Franken (Beträge bei voller Beitragsdauer).

Die Mindestbeiträge der Selbständigerwerbenden und der Nichterwerbstätigen für AHV, IV und EO werden von 478 auf neu 482 Franken pro Jahr erhöht, der Mindestbeitrag für die freiwillige AHV/IV von 914 auf neu 922 Franken.

Die Maximalbeiträge der Nichterwerbstätigen für AHV, IV und EO werden von 23’900 auf neu 24’100 Franken pro Jahr erhöht.

Für Studierende wird der Mindestbeitrag für AHV, IV und EO ebenfalls von 478 auf neu 482 Franken pro Jahr erhöht.

Studierende mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Schweiz müssen ab 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahrs den Mindestbeitrag an die AHV, IV und EO bezahlen. Hinzu kommen maximal 5 Prozent Verwaltungskosten. Zu beachten ist, dass Studierende, die während des Studiums einer Arbeit nachgehen, selbstverständlich auch bereits ab 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahrs Beiträge an die AHV, IV und EO bezahlen müssen. Ausnahmen bei der Bezahlung des Mindestbeitrages bestehen für Studierende in folgenden Fällen:

  • wenn sie mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers oder der Ausgleichskasse nachweisen, dass von ihrem Erwerbseinkommen oder ihren Erwerbsausfallentschädigungen im betreffenden Jahr bereits Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge (10,25 Prozent) in der Höhe von mindestens 482 Franken entrichtet wurden, was umgerechnet einem Einkommen von mehr als 4'703 Franken im Kalenderjahr entspricht;
  • wenn sie verheiratet oder in eingetragener Partnerschaft leben und der Ehegatte oder eingetragene Partner/-in in der AHV, IV und EO versichert, im Sinne der AHV erwerbstätig ist und mindestens Beiträge in der Höhe von 964 Franken (doppelter Mindestbeitrag) bezahlt hat;
  • wenn sie sich nur zum Zweck des Studiums in der Schweiz aufhalten und hier keinen zivilrechtlichen Wohnsitz haben.

Studierende, die ein Erwerbseinkommen von weniger als 4'703 Franken im Kalenderjahr erzielen, können sich diese Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge (10,25 Prozent) aus Erwerbstätigkeit am geschuldeten Mindestbeitrag anrechnen lassen.

Ein Hinweis für Langzeitstudenten:  Nach Vollendung des 25. Altersjahr gelten für Studierende die ordentlichen Regeln für Nichterwerbstätige. Langzeitstudenten entrichten somit Nichterwerbstätigenbeiträge aufgrund ihres Vermögens und Renteneinkommens.
 

FAK - Familienzulagen

Im Bereich der Familienzulagen sind kantonale Vorgaben zu beachten, was die Höhe der Zulagen betrifft. Verschiedene Ausgleichskassen reduzieren ab dem 1. Januar 2019 für Arbeitgebende die Beitragssätze für Familienzulagen (FAK-Beitrag).

Eine kantonale Übersicht wird auf der Internet-Seite des Bundesamtes für Sozialversicherungen (Rubrik Familienzulagen, Arten und Ansätze) zur Verfügung gestellt.

Anspruch auf Familienzulagen haben je nach Sorgerechtssituation Arbeitnehmende und Selbständigerwerbende mit einem AHV-pflichtigen Einkommen von mindestens 7'110 Franken pro Jahr beziehungsweise 592.50 Franken pro Monat. Hat jemand mehrere Arbeitgebende, zählt das gesamte Erwerbseinkommen.

In Bezug auf erwerbstätige Studierende resp. Auszubildende ist darauf hinzuweisen, dass die Ausbildungszulage bis zum vollendeten 25. Altersjahr auch dann weiterhin ausbezahlt wird, solange das Erwerbseinkommen 2'370 Franken pro Monat nicht übersteigt (bis 31. Dezember 2018: 2'350 Franken pro Monat).
 

IV - Invalidenversicherung, EO - Erwerbsersatzordnung, EL - Ergänzungsleistungen

Analog der Ausführungen oben betreffend AHV, werden per 1. Januar 2019 auch in diesen Sozialversicherungszweigen die Leistungen - insbesondere auch die Hilflosenentschädigungen der IV und AHV - entsprechend angepasst.

Bei den Ergänzungsleistungen wird der Betrag für die Deckung des allgemeinen Lebensbedarfs von 19'290 auf neu 19'450 Franken pro Jahr für Alleinstehende, von 28'935 auf neu 29’175 Franken für Ehepaare und von 10'080 auf neu 10'170 Franken für Waisen erhöht.
 

2. Säule

BVG - Berufliche Vorsorge

Die Anpassung der AHV-Renten wirkt sich auch auf die berufliche Vorsorge (BVG) aus. In der obligatorischen beruflichen Vorsorge wird der BVG-Koordinationsabzug von 24'675 auf neu 24'885 Franken erhöht.

Die BVG-Eintrittsschwelle steigt von 21'150 auf neu 21'330 Franken. Der maximal versicherte Jahreslohn im BVG-Obligatorium beträgt neu 60'435 Franken. Der minimal versicherte Jahreslohn steigt auf 3'555 Franken, was übrigens der maximalen monatlichen AHV-Ehepaarrente entspricht (150 Prozent von 2'370 Franken).
 

Mindestzinssatz ab 1. Januar 2019

Der Bundesrat hat am 7. November 2018 entschieden, den Mindestzinssatz im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge entgegen der Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für berufliche Vorsorge bei 1­Prozent zu belassen. Die BVG-Kommission empfahl dem Bundesrat, den Mindestzinssatz auf 0.75 Prozent zu senken.

Die Pensionskassen müssen den vorgegebenen Mindestzinssatz erreichen können. Der Mindestzinssatz ist für die Vorsorgeeinrichtungen eine Garantieverpflichtung. Diese muss sich unter anderem am sogenannt sicheren Zinssatz orientieren, der unter anderem mit 10-jährigen Anlagen in Bundesobligationen erwirtschaftet werden kann.
 

Technischer Referenzzinssatz

Die Schweizerische Kammer der Pensionskassen-Experten (SKPE) hat den technischen Referenzzinssatz per 30. September 2018 analog Vorjahr mit 2,00 Prozent ermittelt.

Der technische Zinssatz einer Vorsorgeeinrichtung sollte mit einer angemessenen Marge unterhalb der langfristigen Rendite liegen, die aufgrund der Anlagestruktur einer Pensionskasse zu erwarten ist.
 

Hinweis zum freiwilligen BVG-Einkauf

Freiwillige Einkäufe in die Altersvorsorge (BVG) reduzieren die Steuerlast und verbessern die Vorsorgesituation. Allerdings sollte man vor einem BVG-Einkauf die Pensionskasse einer kurzen Beurteilung unterziehen. Folgende wichtigen Kennzahlen sind unter anderem zu beachten:

  • Deckungsgrad (mindestens 100 Prozent)
  • technischer Zinssatz (maximal 2 Prozent)
  • Rentneranteil (Anteil Rentenbezüger in Prozent der Verpflichtungen)
  • Mindestverzinsung im überobligatorischen Bereich von einem Prozent (wie beim Obligatorium)
  • BVG-Reglement - Kapitalschutz im Todesfall für freiwillige Einkäufe prüfen


 

UVG - Unfallversicherung, ALV - Arbeitslosenversicherung

Die Höhe des maximal versicherten Verdienstes bei der Unfallversicherung von 148'200 Franken pro Jahr über alle Arbeitsverhältnisse betrachtet (siehe Mehrfachbeschäftigte, Art. 115 Abs. 2 UVV) bleibt auch für das Jahr 2019 unverändert. Die letzte Erhöhung erfolgte per 1. Januar 2016. Diese jährliche Obergrenze gilt nicht nur für die Unfallversicherung, sondern ist auch für die Festsetzung der Beiträge und Leistungen der Arbeitslosenversicherung und für die Höhe des Taggeldes der Invalidenversicherung massgebend.

Die Obergrenze wird jeweils vom Bundesrat festgesetzt. Er hat bei der Festsetzung dafür zu sorgen, dass in der Regel mindestens 92 Prozent, aber nicht mehr als 96 Prozent der versicherten Arbeitnehmer zum vollen Verdienst versichert sind.

Unter anderem nicht erwerbstätige Personen wie Hausfrauen und -männer, Kinder, Studierende, Rentnerinnen und Rentner sind nicht obligatorisch gegen Unfälle versichert. Diese müssen sich im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung gegen Unfälle versichern. Hingegen sind arbeitslose Personen, welche die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosenentschädigung erfüllen, bei der Suva gegen Unfälle versichert. Dieser Versicherungsschutz endet 31 Tage nach dem letzten Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Arbeitslose können den Versicherungsschutz mit einer Abredeversicherung um bis zu sechs Monate verlängern.
 

3. Säule a

Der maximal erlaubte Steuerabzug im Rahmen der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a) beträgt ab dem 1. Januar 2019 neu 6'826 Franken für Personen, die einer 2. Säule (BVG) angeschlossen sind.

Erwerbstätige Personen, die keiner 2. Säule (BVG) angeschlossen sind, können ab dem 1.­Januar 2019 jährlich maximal 20 Prozent des Erwerbseinkommens, jedoch höchstens 34’128 Franken einzahlen.

In die Säule 3a dürfen übrigens nur Erwerbstätige einzahlen, welche ein AHV-pflichtiges Einkommen in der Schweiz erzielen. Arbeitslose dürfen Einzahlungen vornehmen, solange sie Taggelder von der staatlichen Arbeitslosenkasse beziehen und nicht ausgesteuert sind. Bei Ehepaaren dürfen beide Ehegatten unabhängig voneinander einzahlen, wenn beide im Sinne der AHV erwerbstätig sind.

Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig bleibt und ein AHV-pflichtiges Einkommen erzielt, kann bis fünf Jahre über das ordentliche Rentenalter der AHV hinaus Beiträge einzahlen. Männer können somit bis Alter 70, Frauen bis Alter 69 einzahlen.

 

Eine Übersicht zu den Sozialversicherungskennzahlen 2019 finden Sie bei Klick auf folgenden Button:

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