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  • Covid-19 KAE Update

    Massnahmen für Geringverdienende

Artikel:

COVID-19 KAE Update (inkl. Beschlüsse vom 19. März 2021)

22. März 2021

Myriam Minnig, Leiterin Treuhand, Leiterin Fachgruppe Sozialversicherung und Vorsorge |

11 min

Ein zweifelhaftes Jubiläum – die Covid-19 Massnahmen jähren sich diesen Monat. Geduld ist gefragt und der Glaube daran, dass sich diese auszahlt und wir den Frühling danach frei(er) geniessen dürfen. Vorerst gilt es jedoch, auszuharren und weiterhin den Überblick zu wahren. Die neuen Regelungen für die Geringverdienenden sind sinnvoll, in der Umsetzung jedoch keine leichte Kost für die Arbeitgeber.

 

Kurzarbeitsentschädigung (KAE) - aktualisierte Übersicht

Auf Wunsch unserer geschätzten Newsletter-Abonnentinnen und Abonnenten bieten wir nachfolgend einen aktualisierten Überblick über die KAE-Regelungen seit Beginn der Covid-19-Massnahmen bis heute (Stand 20. März 2021). Die für das Jahr 2021 nicht mehr gültigen Regelungen sind der Vollständigkeit halber noch aufgeführt, jedoch grau hinterlegt. Weitere Erläuterungen zu den Neuerungen finden Sie im Abschnitt nach der Tabelle.

Sondermassnahme Covid-19 von bis Normalregime Kurzarbeit
Wer hat Anspruch      
Mitarbeitende Ehegatten/eingetragene Partner des Arbeitgebers (Pauschallösung) 01.03.2020 31.05.2020 Kein Anspruch
Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung und deren Ehegatten/eingetragene Partner (Pauschallösung) 01.03.2020 31.05.2020 Kein Anspruch
Lernende
Lernende unter folg. Bedingungen
  • Ausbildung wird weitergeführt
  • Betriebsschliessung wg. behördlicher Massnahmen oder Verbot der Tätigkeit
  • Subsidiär (ergänzend) zu anderen finanziellen Unterstützungsleistungen für Deckung Lehrlingslöhne
01.03.2020
01.01.2021
31.05.2020
30.06.2021
Kein Anspruch
Besonders gefährdete Personen, wenn besondere Massnahmen nicht möglich 01.03.2020 30.06.2020 Kein besonderer Anspruch
Personen, die von behördlich verordneten Massnahmen für besonders gefährdete Personen betroffen sind 18.01.2021 31.03.2021 Kein besonderer Anspruch
Arbeitnehmende auf Abruf, wenn mind. seit 6 Monaten im Betrieb 01.03.2020 30.06.2021 Kein Anspruch
Arbeitnehmende
  • mit befristetem Arbeitsvertrag ohne vertragliche Kündigungsmöglichkeit 

01.03.2020

31.08.2020
Kein Anspruch
  • mit befristetem Arbeitsvertrag ohne vertragliche Kündigungsmöglichkeit und mit regelmässigem Arbeitspensum
01.01.2021 30.06.2021  
Temporär-Mitarbeitende 01.03.2020 31.08.2020 Kein Anspruch
Berufsbildende, wenn Ausbildung der Lernenden ansonsten nicht sichergestellt 01.09.2020 31.12.2022 Kein besonderer Anspruch
Höhe der KAE      
80% des versicherten Lohns, berechnet im summarischen Verfahren (Berechnung an Arbeitnehmende im individuellen Verfahren) 01.03.2020 30.11.2020 80% des versicherten Lohns im individuellen Verfahren
80% des versicherten Lohns, 80-100% für Geringverdienende, berechnet im summarischen Verfahren (Berechnung an Arbeitnehmende im individuellen Verfahren) 01.12.2020 30.06.2021  
Voranmeldung und Bewilligung      
Vereinfachte Voranmeldung 01.03.2020 30.06.2021 Normale Voranmeldung (ausführliche Begründung)
Keine Voranmeldefrist 01.03.2020 31.05.2020 10 Tage Voranmeldefrist
Keine Voranmeldefrist
rückwirkend wieder eingeführt
01.09.2020 31.12.2021 10 Tage Voranmeldefrist
Gestaffelte Voranmeldefrist bei Beschluss von Massnahmen <4 Tage vor Inkrafttreten (rückwirkend per 1.9.2020 aufgehoben)  01.06.2020 31.08.2020 10 Tage Voranmeldefrist
Bewilligungsdauer max. 6 Monate (rückwirkend per 1.9.2020 wieder eingeführt) 01.03.2020 31.12.2021 Bewilligungsdauer max. 3 Monate
Abrechnungsverfahren      
Summarisches Verfahren 01.03.2020 30.06.2021 Individuelles Verfahren
Abrechnung gegenüber Arbeitnehmenden muss nicht eingereicht werden 01.03.2020 30.06.2021 Abrechnung gegenüber Arbeitnehmenden muss eingereicht werden
Vorschuss der KAE an Arbeitgeber 01.03.2020 31.08.2020 Arbeitgeber muss KAE an Arbeitnehmende bevorschussen
Vorbestandene Mehrstunden müssen nicht von Ausfallzeit abgezogen werden 01.03.2020 30.06.2021 Vorbestandene Mehrstunden müssen von Ausfallzeit abgezogen werden
Keine Melde- und Anrechnungspflicht für Zwischenbeschäftigungen und selbstständige Tätigkeit 01.03.2020 30.06.2021 Zwischenbeschäftigungen und selbstständige Tätigkeiten müssen gemeldet und abgezogen werden
Keine Limitierung Monate mit >85% Arbeitsausfall 01.03.2020 31.03.2021 Maximal 4 Monate mit >85% Arbeitsausfall
Keine Karenztage für Arbeitgeber 01.03.2020 30.06.2021 2-3 Karenztage pro Monat
Nur 1 Karenztag für Arbeitgeber - rückwirkend aufgehoben     2-3 Karenztage pro Monat
Maximale Bezugsdauer 18 Monate 01.09.2020 31.12.2021 Maximale Bezugsdauer 12 Monate
 

Erläuterungen zu den Neuerungen bei der Kurzarbeit

Lernende

Grundsätzlich haben Lernende ab 1. Januar 2021 wieder Anspruch auf KAE, allerdings wurden in der Neuauflage zusätzliche Kriterien als Bedingung gestellt (siehe Tabelle). Die Weiterführung der Ausbildung bedingt im Grunde auch, dass die Lernenden betreut werden. Diesem Umstand wird Rechnung getragen über den zusätzlichen Anspruch der Berufsbildenden (siehe Tabelle).

 

Arbeitsverhältnisse auf Abruf

Es handelt sich um Mitarbeitende, die mit schwankendem Pensum je nach Bedarf eingesetzt werden. Diese haben Anspruch, falls sie bei Beginn der Kurzarbeit seit mindestens sechs Monaten im Betrieb arbeiten und wenn sie in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen, oder in einem befristeten Arbeitsverhältnis mit vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit. Befristet angestellte «Abrufer» ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit haben keinen Anspruch (vgl. auch nächster Abschnitt "Befristete Arbeitsverhältnisse").

Je nach Lohnhöhe und Ausfallzeit der «Abrufer» kann sich deren Einbezug in die Abrechnung positiv oder negativ auf die Gesmtsumme der KAE auswirken. Es besteht daher ein monatliches Wahlrecht seitens Betrieb, ob sie gegenüber der Arbeitslosenkasse abgerechnet werden sollen oder nicht. Nicht erlaubt ist eine Selektion einzelner Abrufmitarbeitenden; innerhalb einer Monatsabrechnung müssen entweder alle oder kein «Abrufer» abgerechnet werden.

 

Befristete Arbeitsverhältnisse

Bezüglich Anspruch von Mitarbeitenden mit befristetem Arbeitsverhältnis gab es Missverständnisse bezüglich der Kündigungsmöglichkeiten. In der Praxis gibt es befristete Arbeitsverträge, die mit dem Datum der Befristung enden, ohne dass eine Kündigung ausgesprochen werden muss. Eine vorzeitige Kündigung ist ohne entsprechende Regelung nicht möglich. Aus diesem Grund sind solche Arbeitnehmende normalerweise nicht anspruchsberechtigt, da es nichts zu retten gibt - das Arbeitsverhältnis läuft für die bestimmte Dauer, unabhängig davon, ob genügend Arbeit vorhanden ist oder nicht.

In der Zeit vom 1. März 2020 bis 31. August 2020 wurden Personen mit solchen Arbeitsverträgen über die Sonderregelungen Covid-19 ALV ebenfalls begünstigt und hatten Anspruch auf KAE. Per 1. September 2020 ist diese Regelung wieder ausser Kraft getreten. Es wird jedoch unterschieden zwischen befristeten Arbeitsverträgen mit (unecht befristet) und ohne (echt befristet) vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit. Bei unecht befristeten Arbeitsverhältnissen besteht Anspruch auf KAE und zwar so lange, bis die theoretische Kündigungsfrist zu laufen beginnt. Beispiel: Befristetes Arbeitsverhältnis 1. November 2019 bis 31. Oktober 2020. Vorzeitige Kündigung möglich mit einer Kündigungsfrist von einem Monat. Erfolgt keine Kündigung, besteht Anspruch auf KAE bis und mit September 2020. Für Oktober 2020 besteht kein Anspruch mehr, da in dieser Zeit die theoretische Kündigungsfrist von einem Monat läuft.

Ab 1. Januar 2021 besteht erneut Anspruch für Mitarbeitende mit befristetem Arbeitsverhältnis, auch wenn keine vorzeitige Kündigungsmöglichkeit vorgesehen ist. Allerdings gilt dies nun nur noch für Personen mit regelmässigem Arbeitspensum. Personen auf Abruf mit (echt) befristetem Arbeitsverhältnis haben weiterhin keinen Anspruch.

 

Voranmeldefrist

Grundsätzlich gilt seit 1. Juni 2020 wieder eine Voranmeldefrist von zehn Tagen. (Am 19.3.2021 wurde die Voranmeldefrist rückwirkend per 30.9.2020 wieder aufgehoben, s. unter «Rückwirkende Korrekturen/Aufhebung Voranmeldefrist»). Selbstredend kann diese nicht eingehalten werden, wenn der Bundesrat neue Massnahmen beschliesst, die innert weniger als zehn Tagen greifen, weshalb diese Voranmeldefrist dann nicht gilt. Das heisst nun aber nicht, dass man sich beliebig Zeit lassen kann, denn sonst verliert man pures Geld. Folgende Regelungen gelten in folgenden Fällen:

Beschluss von Massnahmen, die innerhalb von vier bis zehn Tagen in Kraft treten
Grundsätzlich gilt eine Voranmeldefrist von drei Tagen. Das bedeutet, die Voranmeldung muss in der Zeit zwischen Beschluss und Inkrafttreten erfolgen. Wird diese Frist verpasst, gilt jedoch die übliche Voranmeldefrist von zehn Tagen. Die KAE wird dann erst nach zehn Tagen ab Eingang der Voranmeldung ausgerichtet.

Beschluss von Massnahmen, die innerhalb von weniger als vier Tagen in Kraft treten
In diesen Fällen gilt grundsätzlich keine Voranmeldefrist. Das bedeutet jedoch nicht, dass rückwirkend KAE vorangemeldet werden kann. Bei Voranmeldung

  • weniger als vier Tage nach Inkrafttreten der Massnahme, wird ab Eingang der Voranmeldung KAE ausgerichtet;
  • zwischen vier und zehn Tagen nach Inkrafttreten der Massnahme, sind drei Tage Frist einzuhalten, d.h. die KAE wird ausgerichtet ab drei Tage nach Eingang der Voranmeldung;
  • über zehn Tage nach Inkrafttreten der Massnahme, sind zehn Tage Frist einzuhalten, d.h. die KAE wird ausgerichtet ab zehn Tage nach Eingang der Voranmeldung.

Einfach gesagt: Wenn neue Massnahmen beschlossen werden, die den Betrieb betreffen könnten, ist die KAE umgehend anzumelden, falls nicht bereits eine Bewilligung zum Bezug für die betroffene Periode vorliegt.

Rückwirkende Korrekturen

Noch herausfordernder wird die Abwicklung, wenn Beschlüsse rückwirkend in Kraft gesetzt werden, wie das insbesondere bei den Beschlüssen vom 18. Dezember 2020 und vom 19. März 2021 der Fall war.

Aufhebung Karenztage
Der Karenztag wurde rückwirkend per 1. September 2020 aufgehoben, sodass durchgängig seit 1. März 2020 kein Karenztag getragen werden muss von den Arbeitgebern. Hier besteht kein Handlungsbedarf. Betriebe, denen ab September 2020 Karenztage abgezogen wurden, erhalten diese automatisch von den Arbeitslosenkassen zurückerstattet.

Aufhebung Voranmeldefrist
Die Voranmeldefrist wurde rückwirkend per 1. September 2020 wieder aufgehoben. Somit gilt die gestaffelte Voranmeldefrist wie oben beschrieben in der Zeit vom 1. Juni 2020 bis 31. August 2020. Wer in Besitz ist einer Bewilligung mit Beginn 1. September 2020 oder später, kann rückwirkend die Aufhebung der Voranmeldefrist beantragen mit einem schriftlichen Gesuch an die zuständige KAST (Adresse gem. Bewilligung). Als Konsequenz können die aufgrund der Voranmeldefrist nicht entschädigten Tage nachträglich noch abgerechnet werden. Achtung: Das Gesuch muss bis spätestens 30. April 2021 eingereicht sein.

Verlängerung maximale Bewilligungsdauer auf sechs Monate
Ebenfalls rückwirkend per 1. September 2020 wurde die maximale Bewilligungsdauer wieder von drei auf sechs Monate erhöht, jedoch längstens bis 31. Dezember 2021. Das bedeutet, Bewilligungen mit Beginn ab Juli 2021 werden mit Gültigkeit bis 31. Dezember 2021 ausgestellt. Ab Oktober 2021 gelten dann wieder die maximal drei Monate. Wer in Besitz ist einer Bewilligung mit Beginn 1. September 2020 oder später, kann eine Verlängerung der Bewilligungsdauer auf bis zu sechs Monate beantragen mit einem schriftlichen Gesuch an die zuständige KAST (Adresse gem. Bewilligung). Achtung: Das Gesuch muss bis spätestens 30. April 2021 eingereicht sein.

Rückwirkende Voranmeldung möglich
Betriebe, die von den behördlichen Massnahmen vom 18. Dezember 2020 betroffen sind, können rückwirkend ab Inkrafttreten der entsprechenden Massnahme noch eine Voranmeldung bei der zuständigen KAST einreichen. Dies gilt auch für Betriebe, die bereits in Besitz einer Bewilligung für Kurzarbeit sind, die jedoch nach dem 18. Dezember 2020 beginnt. Achtung: Die Voranmeldung bzw. das Gesuch muss bis spätestens 30. April 2021 eingereicht sein.

Korrektur Anspruchsberechtigte
Wenn Anspruchsgruppen neu oder wieder zusätzlich begünstigt werden, jedoch bereits Abrechnungen erstellt wurden ohne deren Berücksichtigung, kann eine Korrekturabrechnung eingereicht werden. Dazu ist die gesamte überarbeitete Abrechnung für die betreffende Periode mit allen nötigen Beilagen nochmals einzureichen. Beachten Sie dabei die Abrechnungsfrist von drei Monaten ab Ablauf der Abrechnungsperiode. Der Betrieb kann jedoch auch auf eine Korrektur verzichten.

Korrektur Abrechnung
Es gibt jedoch auch seitens der Betriebe möglicherweise Korrekturen, die nachträglich abgerechnet werden sollen, wie z.B. bei der Auszahlung von Boni für vergangene, bereits von Kurzarbeit betroffene Perioden. Auch in diesem Fall ist die korrigierte Version der vollständigen Abrechnung nochmals einzureichen. 

Dasselbe gilt für Korrekturen aufgrund der oben beschriebenen rückwirkenden Änderungen. Achtung: Betriebe, die neu oder länger KAE abrechnen möchten aufgrund der neuen Bestimmungen, müssen die Korrekturabrechnung ebenfalls bis spätestens 30. April 2021 bei der zuständigen Arbeitslosenkasse eingereicht haben. Das heisst, dass möglicherweise die Korrekturabrechnung eingereicht werden muss, auch wenn die Bewilligung der KAST noch nicht eingegangen ist.

 

KAE für Geringverdienende

Das Bestreben, die mittlerweile sehr lange andauernde Lohnkürzung für Personen mit relativ tiefen Löhnen zu mildern, ist sehr gut nachvollziehbar und sicherlich sinnvoll. Die Umsetzung in der Praxis ist allerdings nicht ohne Tücken und stellt die betroffenen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber vor grosse Herausforderungen. Wer mit Lohnsystemen arbeitet, wird wohl nicht darum herumkommen, neue Lohnarten eigens für diese Regelungen zu erstellen bzw. erstellen zu lassen.

Grundsätzliches

  • Die anspruchsberechtigten Personen müssen neu in drei verschiedene Lohnkategorien eingeteilt werden:
    • Kategorie a): Monatslohn bis 3'470 Franken - sie erhalten 100 Prozent KAE (statt bisher 80 Prozent).
    • Kategorie b): Monatslohn zwischen 3'470 und 4'340 Franken - sie erhalten eine KAE von 100 Prozent basierend auf einem Monatslohn von 3'470 Franken, das ergibt eine KAE von zwischen 80 und 100 Prozent des vereinbarten Lohns.
    • Kategorie c): Monatslohn über 4'340 Franken - sie erhalten wie bisher eine KAE von 80 Prozent.
  • Betriebe, die Geringverdienende beschäftigen, müssen daher ab Dezember 2020 neue Abrechnungsformulare verwenden und das Zusatzformular «Einstufung Lohnkategorie» ausfüllen. Die Abrechnungsformulare finden Sie hier.
  • Bei Teilzeitpensen muss der Lohn auf ein volles Pensum hochgerechnet werden für die Einordnung in die Lohnkategorie. Das gilt auch für Stundenlöhner.
  • Ansprüche auf unregelmässige Lohnbestandteile wie ein «Dreizehnter» oder eine Gratifikation müssen in die Lohnbasis mit eingerechnet werden. Bei Stundenlöhnern sind auch die Ferien- und Feiertagszuschläge mit einzurechnen.

 

Berechnung mit effektiven oder durchschnittlichen Sollstunden?

Normalerweise ist es so, dass der Arbeitgeber im Rahmen der arbeitsrechtlichen Bestimmungen frei ist, wie er anteilsmässige Löhne berechnet. Eine weit verbreitete Praxis besteht darin, den Jahreslohn durch die Jahressollstunden zu teilen, um einen Stundenansatz zu berechnen.

Beispiel

Sollzeit 2'080 Std. (40 Std. pro Woche x 52 Wochen)
Jahreslohn CHF 54'600 / 2'080 Std. = CHF 26.25 Stundenansatz bzw.
Monatslohn CHF 4'550 / 173,33 Std. = CHF 26.25 Stundenansatz

Alternativ können statt der pauschalen auch die effektiven Jahressollstunden angenommen werden auf Basis der Anzahl Werktage im betreffenden Jahr.

 

Diese Art der Berechnung ist einfach, gut nachvollziehbar und führt zu übers Jahr gleichbleibenden Stundenansätzen. Viele Betriebe rechnen auch die KAE während Covid-19-Massnahmen nach diesem System ab gegenüber ihren Mitarbeitenden.

Mit der Notwendigkeit, die Löhne in Kategorien einzuteilen und dadurch, dass je nach Kategorie eine unterschiedlich hohe KAE auszurichten ist, funktioniert das einfache System jedoch nicht mehr. Zumindest bei Geringverdienenden muss die Lohnkategorie und in Folge auch die KAE an die betroffenen Mitarbeitenden mit den tatsächlichen Sollstunden berechnet werden. Dabei sind sämtliche Werktage (Montag bis Freitag) eines Monats zu berücksichtigen, auch wenn einzelne davon auf Feiertage fallen sollten.

 

Beispiel

Tägliche Sollzeit im Betrieb 8 Std. (40 Std.-Woche)

Der Januar 2021 hat 21 Werktage * 8 Std. = Sollzeit 168 Std.
Stundenlohn CHF 21.50 * 168 Std. = CHF 3'612.00 Monatslohn (→ Kategorie b)

Der Februar 2021 hat 20 Werktage * 8 Std. = Sollzeit 160 Std.
Stundenlohn CHF 21.50 * 160 Std. = CHF 3'440.00 Monatslohn (→ Kategorie a)

 

Wie aus dem Beispiel hervorgeht, kann eine mitarbeitende Person je nach Anzahl Sollstunden von Monat zu Monat in eine andere Lohnkategorie fallen, und dies unabhängig davon, wie viel oder wenig sie gearbeitet hat. Die Einteilung in die Lohnkategorie bestimmt, wie hoch ihre prozentuale KAE ausfällt.

 

Die grosse Herausforderung der Zuschläge im Stundenlohn

Bei der Berechnung eines vollen Lohns zwecks Einordnung in die Lohnkategorie sind die Löhne inklusive Zuschlag zu berücksichtigen. Der dadurch bestimmte KAE-Stundenansatz inkl. Zuschläge muss wieder umgerechnet werden auf einen Stundenansatz exkl. Zuschläge, damit die Ausfallstunden zusammen mit den gearbeiteten Stunden als Basis dienen können für die Berechnung der Zuschläge.

 

Beispiel 1 (Lohnkategorie a)

Ausgangslage

  • Vereinbarter Stundenlohn exkl. Zuschläge CHF 17.70
  • Ferienzuschlag 8,33%, Feiertagszuschlag 2,5%, Anteil 13. Monatslohn 8,33%
  • Sollzeit im Abrechnungsmonat 160 Std, davon 100 Ausfallstunden

Der Zuschlag für Ferien und Feiertage wird nachfolgend als «FF-Zuschlag» bezeichnet.

Berechnungsschritte

  1. Hochrechnung Monatslohn zwecks Einordnung Lohnkategorie

    160 Std. * CHF 17.70 = CHF 2'832.00
    CHF 2'832.00 + 10,83% FF-Zuschlag = CHF 3'138.70
    CHF 3'138.70 + 8,33% Zuschlag 13. ML = CHF 3'400.15

    → Lohnkategorie a), Anspruch auf 100% KAE, die KAE beträgt CHF 17.70 exkl. Zuschläge

     
  2. Lohnabrechnung
      % Basis CHF CHF
    60 gearbeitete Stunden   17.70 1'062.00
    100 Ausfallstunden (KAE)   17.70 1'770.00
          2'832.00
    FF-Zuschlag 10,83 2'832.00 306.70
          3'138.70
    Zuschlag 13. ML 8,33 3'138.70 261.45
    Total Bruttolohn     3'400.15
     
  3. Sozialversicherungsbasis = CHF 3'400.15

Bei einem reduzierten Pensum bleibt die Berechnung gleich, jedoch mit weniger Gesamtstunden. Die Sozialversicherungsbasis ist dann ebenfalls mit dem ungekürzten Lohn zu berechnen für ein durchschnittliches Pensum über sechs oder zwölf Monate vor Beginn der Kurzarbeit.

 

Beispiel 2 (Lohnkategorie b)

Ausgangslage

  • Vereinbarter Stundenlohn exkl. Zuschläge CHF 19.80
  • Ferienzuschlag 8,33%, Feiertagszuschlag 2,5%, Anteil 13. Monatslohn 8,33%
  • Sollzeit im Abrechnungsmonat 160 Std, davon 100 Ausfallstunden

Berechnungsschritte

  1. Hochrechnung Monatslohn zwecks Einordnung Lohnkategorie

    160 Std. * CHF 19.80 = CHF 3'168.00
    CHF 3'168.00 + 10,83% FF-Zuschlag = CHF 3'511.10
    CHF 3'511.10 + 8,33% Zuschlag 13. ML = CHF 3'803.55 (Stundenansatz CHF 23.77)

    → Lohnkategorie b), Anspruch auf 100% KAE auf Basis CHF 3'470

     
  2. Berechnung KAE Stundenansatz

    CHF 3'470 / 160 Std = CHF 21.69 Stundenansatz inkl. Zuschläge
    CHF 21.69 / 108,33% / 110,83% = CHF 18.07 Stundenansatz exkl. Zuschläge
     
  3. Lohnabrechnung
      % Basis CHF CHF
    60 gearbeitete Stunden   19.80 1'188.00
    100 Ausfallstunden (KAE)   18.07 1'807.00
          2'995.00
    FF-Zuschlag* 10,83 3'168.00 343.10
          3'338.10
    Zuschlag 13. ML* 8,33 3'338.10 278.05
    Total Bruttolohn     3'616.15
     
  4. Sozialversicherungsbasis = CHF 3'803.55 (üblicher Lohn bei Vollbeschäftigung, Berechnung s. unter Punkt 1., bei Teilzeitpensum gleiche Berechnung jedoch mit reduzierter Stundenanzahl)

*Wir gehen davon aus, dass die Ferien- und Feiertags-Zuschläge auf dem vollen Lohn ohne Kurzarbeit geschuldet sind, dazu gibt es jedoch unterschiedliche Lehrmeinungen. Insbesondere bei korrekter Abrechnung mit Ferien- und Feiertags-Rückstellung und Auszahlung bei tatsächlichem Bezug, vermag ein Zuschlag auf einem reduzierten Lohn den gesetzlichen Ferienanspruch nicht mehr zu decken. Der Anteil 13. Monatslohn basiert auf dem gekürzten Lohn, was wir als zulässig erachten. Dies entspricht auch der Praxis bei reduziertem Lohn aus anderen Gründen (Krankheit, Unfall, Dienstzeit etc.).

Die Kurzarbeitsentschädigung beträgt in diesem Beispiel 91,25% (Stundenansatz inkl. Zuschläge ohne Kurzarbeit CHF 23.77 gegenüber Stundenansatz KAE CHF 21.69)

 

Weiter zu beachten bei Geringverdienenden

Lernende verdienen in der Regel ebenfalls weniger als CHF 3'470 pro Monat. Soll für sie KAE abgerechnet werden, ist das Abrechnungsformular «…mit Zusatzformular zur Einstufung der Lohnkategorie» für Geringverdienende zu verwenden und die Lernenden sind wie die übrigen Mitarbeitenden zu deklarieren in der entsprechenden Lohnkategorie. Es steht den Betrieben frei, die Lernenden als Personengruppe nicht abzurechnen.

Sollen im Nachhinein weitere Lohnbestandteile abgerechnet werden, deren Höhe zum Abrechnungszeitpunkt noch nicht bekannt war, wie z.B. Boni, muss, wie vorgängig erwähnt, die gesamte Abrechnung neu erstellt werden. Die Lohnsumme und damit die KAE erhöht sich dadurch. Dabei kann es jedoch sein, dass einzelne Mitarbeitende aufgrund des Bonus' in eine andere Lohnkategorie fallen, was wiederum zu einer tieferen KAE führen würde. Den Betrieben steht es frei, eine Nachmeldung nachträglicher Boni zu unterlassen.

 

Fazit

Der Bundesrat anerkennt mit der Regelung für Geringverdienende, dass es in den betroffenen Lohnkategorien zunehmend schwer wird, den Lebensunterhalt mit gekürztem Lohn zu finanzieren. Ein Berechnungsmodus, der möglichst (sach-)gerecht sein soll, wird zwangsläufig komplex und greift nun erstmals auch in die arbeitsrechtliche Frage der Lohnfortzahlungspflicht ein.

Auch könnte man eine Erhöhung der Erwartungshaltung seitens Behörden gegenüber den Betrieben interpretieren, beispielsweise aus der Handhabung der Voranmeldefrist. Das Überraschungsmoment ist definitiv vorbei, es gilt, laufend am Ball zu bleiben, auch wenn viele andere Dinge dringender erscheinen. Wir sind weiterhin für Sie da und unterstützen bei finanziellen Fragen rund um Covid-19.

 

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