Wir verwenden Cookies auf unserer Webseite, um Ihren Besuch effizienter zu machen und Ihnen eine möglichst angenehme Nutzung bieten zu können. Indem Sie diese Website nutzen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Bitte lesen Sie unsere DATENSCHUTZERKLÄRUNG. Dort erfahren Sie mehr über die von uns verwendeten Cookies und wie Sie diese löschen oder blockieren können.
  • Handlungsoptionen für Vermögensverwalter
Artikel:

Handlungsoptionen für Vermögensverwalter

21. September 2020

Aufgrund des neuen FINIG müssen rund 2'000 unabhängige Vermögensverwalter (UVV) für die zukünftige Ausübung ihres Geschäfts eine Bewilligung der FINMA beantragen. Sie registrierten sich bis zum 30. Juni 2020 bei der FINMA und mussten dabei angeben, wann sie voraussichtlich ein Bewilligungsgesuch einreichen werden. Gemäss den gesetzlichen Übergangsfristen haben sie bis spätestens Ende 2022 Zeit hierfür.

Aufgrund der erfolgten Registrierung liegen erstmals präzise Daten zu den in der Schweiz tätigen Vermögensverwaltern vor. Dabei zeigt sich das Bild einer stark fragmentierten Vermögensverwaltungslandschaft: 1'934 Vermögensverwalter und 272 Trustees, insgesamt also 2'206 Finanzinstitute, haben eine entsprechende Meldung an die FINMA gemacht und damit ihr Interesse an einer Bewilligung bekräftigt.

 

Lediglich 121 Institute haben der FINMA gemeldet, dass sie kein Bewilligungsgesuch einreichen werden. Diese werden entweder ihr Vermögensverwaltungsgeschäft oder ihre unternehmerische Eigenständigkeit aufgeben. Entgegen früherer Prognosen scheint die neue Regulierung somit kein "Massensterben" unter den Vermögensverwaltern zu verursachen. Das sind erfreuliche Nachrichten für den Finanzplatz Schweiz.

Unbestritten ist aber, dass die neuen Regulierungen für UVV erhöhte Anforderungen an ihre Organisation, an die Ausstattung der Compliance, an das Risikomanagement und an das interne Kontrollsystem (IKS) bringen. Zudem steigen die Erwartungen an eine moderne IT-Infrastruktur sowie an Portfoliomanagement- und Dokumentationssysteme. Viele Experten gehen davon aus, dass die Vermögensverwalter zur Umsetzung der neuen regulatorischen Vorschriften auf eine passende Software-Lösung angewiesen sind.

Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen stehen den betroffenen Vermögensverwaltern die folgenden vier Handlungsoptionen offen:

 

1. Selbst ist der Vermögensverwalter

Im Zusammenhang mit FIDLEG und FINIG wird häufig von einer Professionalisierung der Bereiche Risikomanagement und Compliance mittels Aufbau einer angemessenen Organisation bzw. eines wirksamen IKS gesprochen. Konkret bedeutet dies, dass nicht in die Anlagetätigkeit involvierte Mitarbeiter mit entsprechenden Qualifikationen diese Aufgaben übernehmen müssen. Für kleinere Vermögensverwalter mit höchstens fünf Mitarbeitern oder weniger als CHF 2 Mio. Jahresumsatz sieht das Gesetz bestimmte Erleichterungen vor. Einigen UVV mit einfachem Geschäftsmodell und geringen Risiken dürfte es mit den richtigen Anpassungen in den internen Prozessen gelingen, den erforderlichen Spagat zwischen Umsetzung aller regulatorischen Vorgaben bei gleichzeitiger Weiterführung einer profitablen Geschäftstätigkeit zu machen.

 

2. Einstellung der Geschäftstätigkeit

Für viele UVV bedeutet die neue Regulierung vor allem Eines: höhere Komplexität und höhere Kosten. So hoch, dass namentlich bei Klein- und Kleinstvermögensverwaltern eine profitable Weiterführung des Geschäfts in Frage gestellt werden kann. Ist es aufgrund der zusätzlichen regulatorischen Pflichten nicht mehr möglich die Kosten und die Erträge in einem angemessenen Verhältnis zu halten, bleibt dem Vermögensverwalter als Ultima Ratio nur die Einstellung seiner Tätigkeit. Gegebenenfalls kann er sich von einem grösseren Vermögensverwalter oder von einer Bank anstellen lassen, seine unternehmerische Eigenständigkeit muss er in diesem Szenario aber aufgeben. Bleibt zu hoffen, dass nur wenige Vermögensverwalter diese Option wählen werden.

 

3. Vermögensverwalter unter einem Dach

Eines der wichtigen Alleinstellungsmerkmale des Vermögensverwalters ist seine Eigenständigkeit. Nebst Konkurrenz- und Margendruck kommt dieser USP durch die zunehmenden regulatorischen Anforderungen unter Druck, welche immer mehr Aufmerksamkeit beanspruchen. Einige Anbieter sehen in diesen Veränderungen eine Chance und öffnen ihr Unternehmen im Sinne einer «Pool-Lösung», um möglichst viele UVV als selbständige Unternehmenseinheiten unter einem Dach zu vereinen. Dabei bieten sie den angeschlossenen Instituten Services und Infrastruktur an, damit die UVV unter den erhöhten regulatorischen Anforderungen weiterbestehen können. Für den einzelnen UVV hat diese Lösung den Vorteil, dass er für regulatorisch bedingte, unterstützende Aufgaben wie Compliance oder Riskmanagement keine eigenen Leute anstellen muss. Durch finanzielle Verpflichtungen und vertragliche Rahmenbedingungen wird er aber notgedrungen einen Teil seiner unternehmerischen Eigenständigkeit verlieren. Zudem dürften die angeschlossenen UVV seitens Aufsichtsbehörde primär als Angestellte mit besonderem Vergütungsmodell betrachtet werden und daher sämtlichen Erwartungen der Behörde auf Stufe Gesamtinstitut entsprechen müssen.

 

4. Modulares, bedürfnisorientiertes Outsourcing

Die regulatorischen Vorschriften bringen den UVV zweifelsohne zusätzliche Pflichten und Auflagen. Dies bedeutet im Wesentlichen mehr Aufwand für Tätigkeiten in den Bereichen Risk, Compliance und interner Kontrolle - also (Neben-)Tätigkeiten, welche wenig mit dem Kerngeschäft der UVV zu tun haben. Es bietet sich an, dass Vermögensverwalter ebendiese Tätigkeiten auslagern und als Dienstleistungen von Dritten beziehen, um ihre volle Aufmerksamkeit der Vermögensverwaltung und der Kundenberatung widmen zu können. Ein derartiges Outsourcing sollte sich vollumfänglich auf die individuellen Bedürfnisse des UVV ausrichten und ihm ein modulares, digitalisiertes und vollständiges Service-Angebot aus einer Hand («one stop-shop») anbieten. Eine Kombination von moderner IT Lösung, digitalisiertem Wissen ergänzt durch menschliches Fachwissen und Branchen Know-how des Anbieters kann eine effektiveres Zeit-, Kosten- und Ressourcenmanagement ermöglichen. Mittels nicht-exklusiver Kooperationen mit namhaften Software-Anbietern wie Evolute, The Key oder Assetmax, bietet BDO den UVV attraktive Lösungen für die vierte Option (mehr erfahren).

Den Vermögenverwaltern wurde in der Vergangenheit aufgrund der anstehenden Regulierungswelle von FIDLEG/FINIG teils eine eher düstere Zukunft vorhergesagt, jedoch hat sich diese gemäss den nun bekannt gewordenen Daten glücklicherweise noch nicht bewahrheitet. Am Markt stehen zahlreiche Anbieter von Dienstleistungen und Software bereit, welche es den Vermögensverwaltern ermöglichen werden, trotz veränderter regulatorischer Bedingungen ihr Kerngeschäft weiterzuführen oder gar auszubauen. Die UVV sind in den letzten 30 Jahren zu einem wichtigen Rückgrat der Schweizer Finanzindustrie geworden. Die neusten Entwicklungen deuten erfreulicherweise an, dass diese Erfolgsstory auch mit erhöhten regulatorischen Anforderungen weitergehen wird.


Dieser Artikel ist am 25. September auch im PRIVATE Magazin erschienen.