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Die Zukunft von Finanzfunktionen

 

Wer sind die Chief Financial Officers (CFO) von Morgen? Zahlenfokussierte Manager? Oder eher Multitalente in den Bereichen Finanzen, Personal, Recht und IT? Keine Frage, das Berufsbild des CFOs ist im Wandel. Tatsache ist, die Digitalisierung erfordert mehr strategische Fähigkeiten des CFO.

«Die Rolle des künftigen CFOs geht mehr in die Richtung des strategischen CEO-Beraters. Er ist unter anderem Initiator der digitalen Transformation in einem Unternehmen», so Martin Nay, Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Produktbereich Wirtschaftsprüfung und Partner bei BDO. CFOs haben einen breiten Überblick über das gesamte Unternehmen und sind in verschiedene Projekte eingebunden, so dass sie für die Leitung der neu aufzubauenden Finanzfunktionen prädestiniert sind.


Vom Duo zum Trio

Der moderne CFO soll am besten folgende Denkeigenschaften vereinen: nachdenken, vordenken und querdenken. Aber vor allem ist der CFO je länger je mehr Nutzer des wachsenden Datenpools. Für CFO heisst die grosse Aufgabe, Veränderungen zu initiieren und umzusetzen. Dafür braucht es neben den bisher erforderlichen analytischen Fähigkeiten auch eine Begabung für Kommunikation. Die Fähigkeit zu präsentieren, zu erklären und zu überzeugen gewinnt an Bedeutung.
Diese hohen Ansprüche – vom stillen Buchhalter zur visionären Führungspersönlichkeit – hängen stark mit der Digitalisierung und Automatisierung in der Finanzbranche zusammen.
Zusätzlich zum Finanzwissen braucht es heute auch vertiefte IT-Kenntnisse. Dank digitaler Lösungen erfolgen strategische Entscheidungen vermehrt datenbasiert. Nicht selten ergänzt der CIO/CTO das Duo CEO und CFO. Stellen sich doch Fragen der Digitalethik und des Datenschutzes und der generellen Strategie für ein verantwortungsbewusstes Handeln.

 

Finanzfunktionen automatisieren – auf dem Weg zur papierlosen Rechnungsführung

«Finanzfunktionen sollen künftig möglichst sicher und einfach abgewickelt werden können. Das heisst, automatisiert, fehlerfrei und mit eingebauten Kontrollfunktionen», gibt Martin Nay zu bedenken. Der Zugriff auf Daten und Dokumente ist ortsunabhängig. Der Trend geht weiter in Richtung papierloses Finanz- und Rechnungswesen. Die Grundlagen dafür sind automatisierte und integrierte Prozesse unter Anwendung von modernen Tools und Technologien. Dabei ist eine ordnungsgemässe Buchführung unter Einhaltung der Geschäftsbücherverordnung sicherzustellen. Elektronische Dokumente müssen echt und unverfälschbar sein, so dass sie nicht geändert werden können, ohne dass sich dies feststellen lässt (Datenintegrität). Nur so halten sie auch einer Steuerrevision stand. Dank Digitalisierung wird das Monitoring trotz steigendem Datenvolumen einfacher. Datensätze können analysiert und Anomalitäten rasch erkannt werden. Big Data wird es erlauben, Benchmarking zu betreiben und Vergleiche unternehmensintern und mit Mitbewerbern anzustellen. Daraus lassen sich Strategie- und Wettbewerbsvorteile erzielen.


Herausforderungen für Konzerne

Konzerne mit Niederlassungen im Ausland stehen vor der Herausforderung, Finanzfunktionen zu automatisieren, die Datenstrukturen und die Finanzauswertungen zu vereinheitlichen. ERP Systeme sind innerhalb der Unternehmensgruppe für sämtliche Einheiten einzuführen. Durch die Vereinheitlichung und Standardisierung sind gleiche Prozesse möglich, die eine Zentralisierung und bessere Überwachung zulassen. Intelligente Automatisierungen helfen auch Doppelspurigkeiten zu verhindern und die Fehlerquote zu reduzieren, was zu einer merklichen Effizienzsteigerung führt. Letztlich können auch dank durchdachten, konsequent ausgerichteten Investitionen in neue Technologien Kosten dank Effizienzgewinnen gesenkt werden.

 

Der Karriereweg des CFO
Wer CFO werden will, studiert oft Betriebswirtschaft an einer Universität oder via Berufslehre und Berufsmaturität an der Fachhochschule. Möglich sind auch höhere Fachausbildungen nach einer abgeschlossenen Berufslehre. Neben den kognitiven Fähigkeiten sind in der veränderten Arbeitswelt vermehrt Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Sinn für Nachhaltigkeit und vernetztes Denken von zentraler Bedeutung.
Frauen sind zurzeit als CFOs in der Minderheit. Man geht aufgrund von verschiedenen Umfragen von 15 bis 17 Prozent aus. Realistischer dürften 10 Prozent sein.

 

 


 

Drei Fragen zum künftigen CFO

beantwortet durch Martin Nay, Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Produktbereich Wirtschaftsprüfung und Partner bei BDO.

 

Welche Position des CFO sehen Sie am meisten bei Ihren Kunden?

Die Position des CFO ist in den letzten Jahren klar anspruchsvoller geworden. Die einstigen Buchhalter haben sich zu strategisch denkenden Führungspersönlichkeiten entwickelt, was positiv zu werten ist. Der CFO hat heute die Rolle als Sparringpartner für den CEO eingenommen. Er ist das finanzielle Gewissen der obersten Unternehmensleitung. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der heutigen CFOs haben sich klar auf Bereiche ausserhalb des Finanz- und Rechnungswesens ausgeweitet, was seine Position und Stellung innerhalb des Unternehmens bedeutungsvoller macht.

 

Was braucht es, damit der Wechsel vom bisherigen CFO zum neuen CFO gelingt?

Der CFO von Morgen muss offen und interessiert für Neues sein. Er muss Trends der strukturellen Veränderungen in verschiedenen Bereichen des Unternehmens vorausschauend erkennen und nach angemessenen Lösungen suchen. Der neue CFO hat eine wichtige Vorreiterrolle in der digitalen Transformation in einem Unternehmen und muss die übrige Belegschaft auf dieser Reise hinter sich scharen können (Stichwort: Change Management). Das Verständnis der neuen Rolle vom reinen Zahlenmenschen zum breit abgestützten Informations- und Dienstleistungslieferanten ist eine wichtige Voraussetzung für diesen Wechsel.

 

Welches ist für Sie die grösste Herausforderung bei der Digitalisierung und Automatisierung der Finanzfunktionen?

Digitalisierungsprojekte können kostenmässig schnell grosse Dimensionen annehmen und am Schluss in einem «Flop» enden. Es braucht innovative Ideen und das Wissen, welche Technologien auf dem Markt für eine digitale Lösung bereits bestehen. Es braucht zudem ein Gespür für das Machbare. Ein Vorgehen in mehreren kleinen Schritten führt oftmals schneller zum Ziel, als der Versuch eines grossen Sprungs. Wichtige Voraussetzungen sind analytische Fähigkeiten, indem komplexe Geschäftsvorfälle in einfache Ablauf- und Arbeitsschritte für die digitale Transformation aufzuteilen sind. Komplizierte und arbeitsintensive Vorgänge sind zu hinterfragen und es ist nach einfachen, möglichst automatisierten und integrierten Lösungen zu suchen.

 

Martin Nay
Mitglied der Geschäftsleitung,
Leiter Produktbereich Wirtschaftsprüfung,
Partner