Steuertipp Nr. 32 - Solarstrom Teil 4

In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, ob sich eine Solaranlage lohnt. Wir stellen zudem einige wissenswerte Punkte zur Photovoltaik dar.

In der Schweiz gibt es ca. eine Million Einfamilienhäuser und knapp eine halbe Million Zwei- und Mehrfamilienhäuser. Aktuell sind mehr als einhunderttausend mit einer Photovoltaikanlage (auch PV-Anlage genannt) ausgestattet - und es kommen jährlich ca. zwanzigtausend dazu.

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage?

Steuern sind oft eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Investitionen. In den meisten Kantonen sind die Erstellungskosten einer PV-Anlage steuerlich abzugsfähig. In der ganzen Schweiz wird die Einmalvergütung KLEIV ausgerichtet. Beides ist wichtig, um die Investition zu ermöglichen.

Für die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage wirklich entscheidend ist in erster Linie die Höhe der Einspeisevergütung[1]. Und diese, man ahnt es, ist sehr unterschiedlich je nach Standort der Liegenschaft. Die Einspeisevergütungen schwanken zwischen 4 und 13 Rappen pro kWh. Bei 4 Rappen wird die Anlage zum Liebhaberobjekt. Bei den 13 Rappen, die beispielsweise der Kanton Basel-Stadt bezahlt, lohnt es sich in den allermeisten Fällen schon nur aus wirtschaftlicher Sicht. Aus emotionaler Sicht dürfte sich diese Investition jedoch in jedem Fall lohnen.

Auch für die Gesellschaft lohnt es sich, wenn möglichst viele Hauseigentümer eine PV-Anlage erwerben, denn damit werden die Übertragungsnetze entlastet und die Energieversorgung mit Solarstrom ist dezentraler und damit weniger störungsanfällig.

Wissenswertes zu Photovoltaik

Für Eigentümer von Photovoltaikanlagen ist es ökonomisch, aber auch aus ökologischer Sicht interessant, möglichst viel Solarstrom selbst zu konsumieren, wichtig ist also ein möglichst hoher Eigenverbrauch. Dieser hängt natürlich von der Leistungsfähigkeit und Grösse der Anlage, deren Standort, der Neigung und Südausrichtung, dem Stromverbrauch des Haushalts, der Jahreszeit, dem aktuellen Wetter, den Gewohnheiten der Bewohnerinnen und Bewohner und von vielen weiteren Faktoren ab.

Eigenverbrauch ist deshalb sinnvoll, da der Strombezug aus dem Netz vergleichsweise teuer und die Einspeisevergütung vergleichsweise tief ist. Besser ist es, den eigenen Strom selbst zu nutzen und seinen Strombezug aus dem öffentlichen Netz gleichzeitig zu minimieren.

Der Eigenverbrauch kann einerseits durch Verhaltensänderungen erhöht werden. Vor allem die Waschmaschine oder Geschirrwaschmaschine können dann gestartet werden, wenn ausreichend Strom ins öffentliche Netz abgegeben wird. Eine andere Möglichkeit besteht in der automatischen Steuerung von grossen Stromverbrauchern. Durch individuell konfigurierbare Steuerungssysteme können bedeutende Stromkonsumenten wie Elektroboiler, Klimageräte, Wärme- und Poolpumpen oder die Wallbox eines Elektroautos automatisch, oder neudeutsch: «smart», gesteuert werden. Das intelligente System nutzt Überschussenergie der Photovoltaikanlage und optimiert so den Eigenverbrauch. Bei einer Wolke wird der Stromkonsum der gesteuerten Anlagen automatisch gedrosselt und wenn die Sonne wieder voll scheint, werden die Anlagen wieder mit voller Leistung betrieben.

Das Elektroauto und was dieses mit dem Solarstrom zu tun hat

Ein Elektroauto und eine PV-Anlage sind ein «Dream Team». Was ist befriedigender als die Vorstellung, mit selbst produziertem Strom aus der eigenen Solaranlage unterwegs zu sein? Am besten ist es natürlich, wenn die Wallbox «smart» gesteuert werden kann. Wenn also der Solarstromüberschuss, der anderweitig ins Netz eingespiesen werden würde, für die Ladung des Elektroautos eingesetzt werden kann. Es gibt jedoch noch eine Steigerung: Bidirektionales Laden.

Wie bidirektionales Laden die Elektromobilität revolutionieren wird

Geht es um das Laden von Elektroautos, denken die meisten in erster Linie an unidirektionales Laden. Bei dieser Form fliesst der Strom nur in eine Richtung, konkret von der Ladestation ins Elektroauto. Die Zukunft gehört jedoch dem bidirektionalen Laden, bei welchem die Batterien von modernen Elektroautos nicht nur geladen werden, sondern den gespeicherten Strom einem Gebäude bei Bedarf zur Verfügung stellen.

Der Speicher eines Elektrofahrzeugs ist in der Regel viel grösser als der Speicher eines stationär verbauten privaten Stromspeichers, sodass auch mehrere schlechte Tage abgedeckt werden können. Dazu kommt, dass die Batterie des Elektrofahrzeugs mit dem Kauf des Autos bereits vorhanden ist und keine zusätzlichen Kosten für die Stromspeicherung des im Haus verbrauchten Stroms anfallen. Die Mobilität und Speicherung des im Haus phasenverschobenen Stromverbrauchs können somit beide mit dem Elektroauto abgedeckt werden.

Derzeit bieten erst wenige Fahrzeuge die Möglichkeit zum bidirektionalen Laden. Das soll jedoch bald ändern. Diverse Anbieter haben angekündigt, demnächst bidirektionale Batterien in Elektrofahrzeugen anzubieten. Das ist vielleicht wichtig für Sie, wenn Sie planen, demnächst ein Elektrofahrzeug zu beschaffen. Der VW-Konzern (VW, Audi, Seat, Skoda) hat beispielsweise angekündigt, im Laufe des Jahrs 2022 auf bidirektionale Batterien umzustellen und nach und nach alle Fahrzeuge mit diesem Batterietyp auszurüsten. Allenfalls könnte es sich für Sie lohnen, vorausschauend ein Fahrzeug mit einer bidirektionalen Batterie zu kaufen, auch wenn Sie noch keine PV-Anlage besitzen.

Wenn dereinst Hundertausende oder gar Millionen Elektrofahrzeuge in der Schweiz[2] unterwegs sein werden, eröffnet dies ganz neue Möglichkeiten. Damit wird in Zukunft die Eigenversorgung der Haushalte mit nachhaltigem Solarstrom deutlich verbessert und die wachsende Flotte an Elektrofahrzeugen kann mit Strom versorgt werden.

Weitere Informationen zum Thema entnehmen Sie bitte dem BDO Newsletter vom 26. August 2021: «Steuertipp Nr. 32 - Solarstrom».

 


[1] In der Schweiz gibt es über 400 Stromverteiler, alle mit unterschiedlichen Vergütungsansätzen.

 [2] Gemäss Bundesamt für Statistik waren Ende 2020 4'658'335 Personenwagen immatrikuliert.

 


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