CEO Blog

29.04.2013

Transparenz – zu welchem Preis?

Kaum jemand wird dagegen sein, im Bereich der Kosten für die Vermögensverwaltung in der beruflichen Vorsorge, mehr Transparenz zu schaffen. Wichtige Schritte dazu wurden mit der Strukturreform in der beruflichen Vorsorge und dort insbesondere mit den Anpassungen in der BVV2 erzielt.

Parallel dazu wurden die Vorschriften zur Rechnungslegung, die in Swiss GAAP FER 26 verankert sind, überarbeitet. Leider erfuhr dieses Projekt Verzögerungen. Die Verzögerung rührte daher, dass die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) Regeln zur Offenlegung der Vermögensverwaltungskosten erlassen wollte und diese Regeln erst dieser Tage definitiv verabschiedet wurde. Da die definitiven Regeln der OAK BV nur wenig vom Entwurf abweichen, sollte es der FER Kommission nun möglich sein, rasch den neuen FER zu verabschieden, damit er für die Jahresrechnungen 2014 umgesetzt werden kann.

Ende gut alles gut also? – Ja und Nein.

Die OAK BV zeichnet einen Weg auf, wie die Vermögensverwaltungskosten transparent in der Betriebsrechnung dargestellt werden können. Da diese oft einiges über den eigentlichen Verwaltungskosten einer Vorsorgeeinrichtung liegen, ist hier Transparenz wichtig und wird auch helfen, die Kosten bzw. die entsprechenden Anlagen kritisch zu hinterfragen. Transparenz ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass Anlageprodukte mit hohen Verwaltungskosten gemäss der c-alm Studie nicht zwingend eine bessere Nettorendite ausweisen.

Auf der anderen Seite sieht die OAK BV jedoch vor, dass die TER (Total Expense Ratio) nicht nur auf der obersten Stufe angewandt werden soll, sondern auch auf der zweiten und allenfalls dritten Stufe im Falle von Sub-Fonds. Das ist zwar für die Ermittlung der totalen Verwaltungskosten zielführend, dürfte aber an vielen Orten mit einem grossen Aufwand verbunden sein. Zudem sollen diese TER Werte „geprüft“ sein. Da wird es spätestens auf der dritten Stufe ganz schwierig, weil man kaum an die nötigen Informationen kommt. Wenn Kollektivanlagen im Ausland verwaltet werden, erhöhen sich diese Schwierigkeiten noch zusätzlich.

Ebenfalls spannend ist die Möglichkeit für schweizerische und ausländische Fachverbände ein Gesuch, um Anerkennung der TER Kostenquote zu stellen. Währenddem das für Schweizer Verbände noch einigermassen nachvollziehbar ist, glaube ich schlicht nicht daran, dass ausländische Fachverbände bei der OAK BV anklopfen, um ihre TER Kostenquoten genehmigen zu lassen. Die Erfahrungen mit der Beschaffung von Loyalitäts- und Retrozessionserklärungen aus dem Ausland machen keine Hoffnung.

Das grosse Ventil für die Lösung dürfte die Schwelle der Wesentlichkeit sein. Viele Vermögensverwaltungskosten der zweiten und dritten Stufe in Fondsstrukturen dürften für die gesamte Vorsorgeeinrichtung unterhalb der Wesentlichkeitsgrenze liegen. Das kleine ergänzende Ventil dürfte sein, dass Vorsorgeeinrichtungen sich den Aufwand und die Mühe sparen und Produkte, bei denen die Erhebung der Vermögensverwaltungskosten zu aufwändig erscheint, als nicht transparente Produkte in der Jahresrechnung ausweisen. Das wäre dann wieder ein nicht beabsichtigter Rückschritt.

Die OAK BV hat mit viel gutem Willen eine griffige Lösung zu erarbeiten versucht. In guter Schweizer Manier ist sie wohl eher über das Ziel hinausgeschossen und hat etwas erstellt, das bei buchstabengetreuer Umsetzung einen grossen Aufwand verursacht. Die Impulse aber, der von der Strukturreform und der Arbeit der OAK BV ausgegangen sind, sind sehr zu begrüssen. Sie werden helfen, den Druck auf die intransparenten Anlagen zu erhöhen und damit einen besseren Überblick über sämtliche Kosten der Vorsorgeeinrichtungen zu gewinnen.

 

Werner Schiesser


Zurzeit keine Kommentare vorhanden.

captcha