CEO Blog

07.11.2013

Audit Reports − Neuerungen in Sicht!

Die Berichte der Wirtschaftsprüfer waren in der Vergangenheit laufend gewissen Änderungen unterworfen und es wurde auch immer wieder einmal über bessere Lösungen diskutiert. Doch die Änderungen zielten darauf ab, den bestehenden Standard-Text anzupassen, die Diskussionen − zum Beispiel zu einem mehr vorausschauenden oder mehr der Analyse verpflichteten Prüfbericht − verliefen im Sand. Als in der Folge der Finanzkrise Unternehmen wenige Wochen nach der Publikation eines uneingeschränkten Testates untergingen, kam neue Bewegung in die Diskussion.

So bestehen heute bei der amerikanischen Revisionsaufsicht für kotierte Unternehmen (PCAOB), als auch beim globalen Standardsetter IAASB Projekte, den Bericht der Wirtschaftsprüfer zu ändern. Diese Projekte sind schon recht weit fortgeschritten. Inhalt der Änderungen soll ein differenzierteres Urteil des Wirtschaftsprüfers sein. Es soll nicht mehr nur ein „ok“ − „nicht ok“ des Wirtschaftsprüfers sein, sondern er soll die Möglichkeit erhalten, detaillierter zu berichten. Das Mittel dazu sollen sogenannte „Critical Audit Matters“ sein. Dabei soll der Prüfer über Bereiche der Jahresrechnung berichten, in denen ein besonders hohes Mass an Beurteilungsspielraum besteht, oder bei denen der Prüfer besondere Schwierigkeiten hatte, zu einem Urteil zu kommen. Denkbar sind auch umfassendere Ausführungen über die Prüfungsmethoden und -durchführung.

Es versteht sich von selbst, dass es auch für diese Neuerung (in den USA die erste fundamentale Neuerung seit rund 70 Jahren!) gute Gründe dafür und dagegen gibt. Dafür spricht die Überlegung, dass der Prüfer die Investoren und Kreditgeber differenzierter informieren kann. Wenn heute bei einem börsenkotierten Unternehmen eine Modifikation im Prüfungstestat vorgenommen wird, hat das in der Regel dramatische Auswirkungen auf den Börsenkurs − entsprechend schwierig ist der Entscheid für den Prüfer, vom Standardwortlaut im Prüfbericht abzuweichen. Eine differenzierte Äusserung zu möglichen Problemzonen könnte eine Entschärfung bringen. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass der Verwaltungsrat für die Erstellung der Jahresrechnung verantwortlich ist und dort alle für den Leser wesentlichen Informationen enthalten sein müssen. Worüber also sollte der Prüfer berichten, was nicht schon in der Jahresrechnung steht? Im Weiteren hat die Standardisierung bis anhin einen guten Grund: Der Wirtschaftsprüfer will sich nicht unnötigen Risiken aussetzen. Die Berichterstattung quasi in freier Prosa über „Critical Audit Matters“ könnte dieses Feld weit öffnen − und zu einer standardisierten Berichterstattung auch über „Critical Audit Matters“ führen. Wie kann der Bilanzleser solche Informationen richtig einordnen? Man wäre (fast) wieder zurück auf Feld eins!

Die Diskussion um die Formulierung in den Berichten der Wirtschaftsprüfer ist willkommen und ganz wichtig. Sie stellt eine Chance zu einer differenzierteren Berichterstattung durch den Abschlussprüfer dar und schliesst zumindest teilweise den immer wieder diskutierten „Expectation Gap“, der die Differenz ausdrückt zwischen dem, was der Wirtschaftsprüfer tut und dem, was eine breite Öffentlichkeit meint, er tue es. Die vielen damit verbundenen Fragen um die Rechnungslegung, die Prüfungsmethodik und die Verantwortlichkeiten garantieren aber noch eine längere und intensive Auseinandersetzung!

Werner Schiesser

                              


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